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20. Jul. 2010

In der Sommerpause muss man seine Leser auch mal mit einem Highlight verwöhnen! Heute gibt es daher ein Interview von mir, mit Dominic von fcbayern-museum.com.

Jan: Dominic schön, dass du Zeit für ein Interview gefunden hast. Wir haben uns ja vor ein paar Jahren über unsere Leidenschaft dem Trikotsammeln kennengelernt. Wie war allgemein dein Start in den Fussball?

Dominic: Ja vielen Dank, dass Du mich interviewst. Freut mich! Der Start in den Fussball war warscheinlich wie bei vielen anderen auch. Als kleiner Junge steckte mich meine Mutter in Bayern Bettwäsche und in jungen Jahren gab es in Herborn (Nordhessen) vor einigen Jahren dann das erste Livespiel. Danach stieg das Interesse am Fussball natürlich immer weiter an. Mein erstes Livespiel in der Bundesliga war übrigens FC Bayern : Schalke.

Jan: Du warst ein paar Jahre recht aktiv bei allen Bayern-Spielen, egal ob heim oder auswärts vor Ort. Wie kam es dazu und wie sah die Serie aus?

Dominic: Das Interesse am Fussball und den Stadionbesuchen steig bei mir von Jahr zu Jahr, so dass ich mit Beginn der Saison 2001/2002 eine Serie starten konnte und sieben Jahre am Stück alle Bundesliga-, Europapokal-, DFB-Pokal und Testspiele des FC Bayern live gesehen habe. Bei der Serie habe ich viele tolle Erlebnisse gehabt, wie z.B. das Weltpokalfinale in Tokio 2001, dass unvergessen bleiben wird. Wir hatten einen Flug über Kopenhagen gebucht. Ich sollte in München daher gleich bis Tokio durchchecken. So gab ich der Mitarbeiterin beide Flugtickets. Leider funktionierte der Check-In für Kopenhagen – Tokio nicht. Zurück bekam ich das Ticket aber auch nicht, so dass es in Kopenhagen zu größeren Problemen kam, die mich fast den Flug gekostet hätten. Die Reise nach Tokio zum Weltpokalfinale war in Gefahr. Erst mit einem Fax vom Münchner Flughafen, in dem bestätigt wurde, dass der Flugschein vom Bodenpersonal fälschlicherweise einbehalten wurde, konnte die Sache geklärt werden und ich durfte weiterfliegen. Da die Maschine zudem auch noch überbucht war, bot die Fluggesellschaft damals jedem 600-700 DM, der seinen Flug nach Tokio umbuchen wollte. Nachdem wir aber schon relativ knapp dran waren, waren wir natürlich froh, als wir im Flieger auf dem Weg nach Tokio saßen und am Ende der Weltpokalsieg zu feiern war.

Weitere Highlights waren eigentlich alle Trainingslager in Dubai, die alle sehr lustig waren. Besonders spannend war der Trip vom Trainingslager in Dubai nach Teheran (Iran), wo der FC Bayern ein Testspiel vereinbart hatte. Selbst bei der Einreise in den Iran musste Babsi (Frau von Dominic) damals mit Schleier einreisen und durfte die komplette Zeit in Teheran nur mit Schleier rumlaufen.

Jan: Wie kam es zum Ende der Serie?

Dominic: Der Umgang mit den wahren Fans hat sich in den letzten Jahren leider extrem verändert. Persönlich muss ich sagen, dass ich mich nicht mehr so wohlfühle wie früher. Die Behandlung der Fans ist nicht mehr so, dass es passt. Der Spaßfaktor ist geringer geworden und leider ist der Stress der Reisen irgendwann doch zu groß geworden. 1500 Livespiele und in der besten Saison mit fast 300 Livespielen (Profis, Amateure, usw.) sind schon heftig und wirklich anstrengend.

Anmerkung:  Ja, dass kann ich gut verstehen, auch mir geht es immer mehr so, dass es keinen großen Spaß mehr macht. Mein Highlight der letzten Saison Bayern Amateure : Rot-Weiß Erfurt, als unter der Woche ca. 30 Erfurter die Fahrt nach München auf sich genommen hatten und von ca. 400 Polizisten empfangen wurden. Sorry, aber das geht echt zu weit…

Jan: Du bist ja in der “Matchworn-Szene”, seit Jahren als Sammler bekannt udn wirst von allen Seiten als größter Bayern-Trikotsammler aktzeptiert und angesehen. Wie ging das mit den Spielertrikots bei Dir los?

Dominic: So richtig los ging es eigentlich, als Babsi und ich geheiratet haben und uns die damalige Bayern Damenmannschaft zwei unterschriebene Trikots geschenkt hat. Fanshoptrikots hatten wir vorher schon gesammelt. Die Idee war, dass alle Heim-, Auswärts- und Europapokaltrikots gesammelt werden sollten. Nachdem wir die beiden Trikots der Damenmannschaft (Climacool mit Innenhemd) bekommen hatten, wurden die originalen Spielertrikots natürlich immer interessanter. Richtig angefangen haben wir 2002, Babsi hatte vor einigen Jahren zwar das erste richtige Spielertrikot von Norbert Nachtweih, ein weißes Europapokaltrikot, geschenkt bekommen, aber der Unterschied war uns damals gar nicht so bewusst. Von den Bayern Damen bekamen wir immer mehr Trikots, so dass auch die Sammlung immer größer wurde.

Jan: Wie war das 2002, ich denke der Markt auf Ebay war noch nicht so vorhanden wie heute, oder?

Dominic: Nein, 2002 war das alles noch recht überschaubar. Damals musste man, bzw. konnte man noch, die Spieler fragen oder Kontakt zu älteren Spielern aufbauen. Bei Ebay gab es damals maximal fünf Trikots bei der Suche nach “matchworn”. Es gab drei große Sammler (Helmut, Sasha und mich), daneben noch ein paar weitere Sammler, die ein bißchen sammelten. Die erste große Auktion bei Ebay war übrigens ein Original 60er Jahre Europapokaltrikot, dass für 660 Euro versteigert wurde. Leider fehlt es mir bis heute in der Sammlung! Mit den Climacool Trikots ging es bei uns eigentlich erst richtig los, da uns erst hier die Unterschiede zwischen Fantrikot und Spielertrikot wirklich bewusst wurden. Die Auktionen bei Ebay wurden dann von Zeit zu Zeit auch immer mehr, so dass die Sammlung immer größer und spannender wurde. Inzwischen haben wir über 620 reine Spielertrikots, da die Fanshoptrikots irgendwann aussortiert wurden.

Jan: Ich kenne eure Sammlung ja, durfte schon zweimal die Vitrine begutachten. Ihr mit Sicherheit mehr Geschichte über unseren Verein, als der Verein selber in der Säbenerstr. stehen hat. Das ist wirklich sensationell! Welche Trikots sind eure Highlights in der Sammlung?

Dominic: Das ist echt schwer zu beantworten, aber die Highlights sind sicherlich folgende: Das Robben Trikot aus dem letzten CL-Finale, das UEFA Cup Trikot aus dem Spiel in Nottingham 95/96 von Mehmet Scholl und Lothar Matthäus, das Gerd Müller Trikot von 1967 aus dem Endspiel im Pokal der Pokalsieger 1967 in Nürnberg, alle anderen richtig alten Trikots und weiße mit rotem Flock stehen bei uns auch hoch im Kurs. Jede Epoche hat ihren eigenen Charme, da fällt es schwer, wirklich besondere Trikots herauszuheben.

Jan: Habt ihr ein paar spannende Anekdoten zu dem ein oder anderen Trikot, die ihr verraten könnt?

Dominic: Lustig, war z.B. das ich mal bei einer Choreo im Stadion einem Fan ein originales Elber CL Trikot (silber) für 50 Euro abkaufen konnte. Schnell war ich z.B. beim Agila Trikot, dass ein Freund des Nürnberger Zeugwarts verkaufte und ich innerhalb einer Stunde über die Autobahn nachhause gerast bin. Toll war damals, nach dem Artikel im Bayern Magazin (Dominic und Babsi wurden auch schon einmal für das Bayern Magazin interviewt), dass sich ein alter Handballer des FC Bayern gemeldet hatte und uns einige Trikots zur Sammlung überlassen hat. Besonders gefreut hat uns das Aufstiegstrikot von Karl Borutta, dass uns seine Witwe zur Sammlung gegeben hat. Ein besonderes Stück Geschichte des FC Bayern!

Jan: Was sind eure Ziele für die Sammlung?

Dominic: Ziel wäre die Vollständigkeit, aber die dürfte nur sehr sehr schwer zu erreichen sein. Die größte Sammlung rund um den FC Bayern dürfte es vermutlich schon sein.

Jan: Wie bewahrt ihr die seltenen Stücke auf?

Dominic: Zum Teil hängen die Trikots bei uns in der Vitrine, die wir von einem Schreiner haben bauen lassen oder die Trikots liegen in Plastikbeuteln in Kisten.

Jan: Habt ihr Tipps und Tricks für andere Sammler?

Dominic: Klar haben wir nach all den Jahren auch Tipps und Tricks für andere Sammler. Nutzt das Forum auf unserer Webseite, wenn es um den FC Bayern geht. Ansonsten empfehlen wir Originalbilder vom jeweiligen Spiel oder Trikot im Internet zu suchen. Oft kann man auch mit Kontakten viel erreichen und sich austauschen.

Jan: Habt ihr Wünsche für die Zukunft?

Dominic: Klar, ein paar Wünsche hat man immer. Leser des Interviews, die vielleicht noch das ein oder andere alte Trikot im Schrank hängen haben, können sich gerne melden. (Direkt bei Dominic oder bei uns -> Kontaktdaten geben wir dann gerne weiter!) Ansonsten würden wir uns etwas mehr Unterstützung vom Verein wünschen. Ein weiterer Wunsch wäre vielleicht auch eine Art Börse einzurichten, wie es z.B. Austria Wien einmal im Jahr macht. Dort können Fans und Liebhaber von originalen Spielertrikots, die Trikots der vergangenen Saison ersteigern oder kaufen. Tolle Sache!

Jan: Ich danke Dir für das Interview und wünsche noch viel Erfolg beim Sammeln!

Dominic: Danke Dir!

Solltet Ihr euch die Sammlung von Dominic und Babsi einmal ansehen wollen, dann folgt dem Link: FC Bayern Museum

Bei Fragen, Anliegen oder Kommentaren zu diesem Interview könnt Ihr Euch gerne direkt bei mir melden! (Kontaktdaten siehe Impressum)


8. Okt. 2009

Vor ein paar Tagen habe ich einen Kicker von 1976 in die Hände bekommen. Der FC Bayern wurde in diesem Jahr zum ersten Mal Weltpokalsieger. Das Hinspiel gewannen die Bayern gegen Belo Horizonte noch mit 2:0, ehe es am 21.12.1976 im Rückspiel um alles ging.

Der Kicker schrieb damals nach dem großen Triumph:

Dieser FC Bayern war nicht müde!

Nach sechs Stunden Schlaf: Weltpokalsieg

Jetzt haben die Münchner Bayern den ganz großen Coup doch noch geschafft! Mit einem Klassespiel im fast ausverkauften Stadion Minas Gerais von Belo Horizonte (117000 Zuschauer) holten sie sich nach einem mehr als verdienten 0:0-Unentschieden als erste deutsche Mannschaft überhaupt den Weltpokal! Dabei waren die hervorragend eingestellten Münchner gegen Ende des spannenden, farbigen und äußerst fairen Finales dem Sieg näher als die Brasilianer.

Mit gut 12 Minuten Verspätung pfiff Schiedsrichter Patrick Partridge (Großbritannien) das Spiel im Hexenkessel von Belo Horizonte an, wo die Fans einen klaren Sieg ihrer kaffeebraunen Ballartisten gegen die vermeintlich übermüdeten Müchner erwarteten. Doch die Bayern, bei denen Franz Beckenbauer nach einem letzten Test doch noch mit von der Partie war, ließen sich durch den äußerst unfreundlichen Empfang nicht beeindrucken.

” Wir müssen unbedingt die ersten dreißig Minuten überstehen, ohne ein Tor einzufangen, sonst wird´s ganz schlimm”, hatte Bayern Coach Dettmar Cramer gehofft. Und tatsächlich kamen die Münchner, bei denen sich wieder einmal ihre große internationale Erfahrung auszahlte, prima über die Anfangsminuten.

Ein Höllenlärm im Stadion und starker Druck der Gastgeber kennzeichneten diese ersten Minuten auf dem tiefen, aufgeweichten Rasen. Natürlich konnten die Münchner von Glück sagen: statt Hitzetemperaturen um die 35 Grad ging während des gesamten Spieles ein anhaltender tropischer Regen über dem Stadion nieder. Die einfach viel zu verspielt wirkenden Cruzeiros wurden von den Münchnern schnell an die Kette gelegt, als deren erstes Feuerwerk erst einmal verraucht war. Sepp Weiß, der den Meniskusoperierten Dürnberger vertrat, machte seine Sache gegen Eduardo ebenso gut wie Udo Horsmann, der im Gegensatz zum Münchner Hinspiel gegen den Cruzeiro-Zauberer und absoluten Lokalmatadoren Jairzinho diesmal mehr Land sah.

Nummer eins inmitten des Getümmels war jedoch ein Mann: Sepp Maier. Er parierte während des gesamten Spiels serienweise raffinierte Freistöße des schußstarken Offensivverteidigers Nelinho, Schüsse des quirligen Palinha. Und Chancen hatten die Bayern! Rummenigge, der in der 85.Minute mit einer Fussprellung ausschied, scheiterte jedoch wiederholt an Raul. Glück für die Münchner, als Jair in der 63.Minute nur den Pfosten traf. Überglücklich waren die elf Bayern, als nach 90 Minuten die Raketen in die brasilianische Nacht stiegen. Die enttäuschten Cruzeiros wurden von den 117000 mit gellenden Pfiffen in die Kabine geschickt.

So spielten die Bayern: Maier – Andersson, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Horsmann – Weiß, Torstensson, Kapellmann – Hoeneß, Müller, Rummenigge (85.Arbinger) – Trainer: Cramer

Dann tanzen sie den Samba…

Bayern vertrat Europa glanzvoll!

“Ich bin überglücklich, zu dieser famosen Leistung kann man unserer Mannschaft nur gratulieren”, freute sich Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker. “Wenn´s am schlimmsten zugeht, dann ist der Sepp der Beste”, lobte Gerd Müller, als er gerade vom Spielfeld kam und Franz Beckenbauer war froh: “In der ersten Halbzeit hab ich wieder Schmerzen verspürt, aber Hauptsache, dass wir es nach diesen ungeheuren Reisestrapazen noch gepackt haben.” 10000 Mark will der “Präse” für den Weltpokalsieg seiner Mannen springen lassen. Damit wird das Abenteuer Brasilien für die Münchner ein saftiges Minusgeschäft. Nachdem es im ersten Spiel nur 18000 Zuschauer in die winterlichen Ränge des Olympiastadions getrieben hatte, womit gerade die Flugkosten nach Belo Horizonte gedeckt waren, machten also nur die Brasilianer einen fetten Weltcupreibach: 117000 Zuschauer, Einnahme: 6,4 Millionen Cruzeiro gleich 1,4 Millionen Mark.

Dennoch spricht man bei den Bayern nach dem zweimaligen Reinfall im Supercup von einem schönen Weihnachtsgeschenk. Das Prestige ist international gerettet für dieses Jahr: ” Beste Klubelf der Welt” dürfen sich die Mannen um Franz Beckenbauer jetzt nennen. Was die Münchner nach 26stündigem Flug (sie kamen erst 10 Stunden vor Spielbeginn in Belo an) im tropischen Regen von Mina Gerias leisteten, das hatte in der Tat Weltformat. In der längsten Nacht des Jahres zeigten sie sich ausgeschlafener wie selten zuvor. Die Bayern schliefen lieber vor dem Spiel: ganze sechs Stunden! Dann tanzten sie mit den überraschten Cruzeiros auf ihre spezielle Art den Samba. Mit starken Nerven und kühl bis an die Herzspitzen: eben Marke Bayern.

Gegen 3.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit war der vom Prestige her größte Bayernsieg perfekt. Dann ging es zurück ins Hotel, zum Flughafen, zurück in die winterliche Heimat. Der FC Bayern vertrat Europas Fussball glanzvoll.

Für den Kicker schrieb: Julio Cameron


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