Meister im Pokal-Finale 1:2 gegen Uerdingen / Everton im Europacup zu stark
Von wegen Aufbau- oder Übergangsjahr! Nahezu alle Neuverpflichtungen zu Beginn der Saison 1984/85 erwiesen sich als Volltreffer und verstärkten den Kader des FC Bayern nachhaltig. Als Herbstmeister konnte nicht nur die Rückrunde der Bundesliga mit Volldampf in Angriff genommen, sondern mit den anstehenden Viertelfinal-Spielen im DFB Pokal und im Europapokal der Pokalsieger sogar noch weitergehende Ambitionen unterstrichen werden.
Mit der Teilnahme an drei Hallentunieren sowie fünf weiteren Freundschaftsspielen (u.a. in Casablanca) ging es 1985 gut gerüstet in die Rückrunde, die mit einem ersten kleinen Dämpfer in der Bundesliga begann. Gegen Arminia Bielefeld reichte es nur zu einem 3:3 im Olympiastadion. Beim anschließenden Spiel in Bremen setzte es gar eine 2:4 Niederlage. Zwar kam es danach zu einem knappen Heimerfolg über Bayer 05 Uerdingen, doch dieses kleine Hoch war auch schon im Westfalenstadion zu Ende, als gegen Borussia Dortmund, die gegen den Abstieg spielte, nur 1:1 gespielt wurde. Was war los? Waren die Erwartungen nach der überraschend guten Hinrunde vielleicht doch zu groß? Immerhin konnte die Tabellenspitze nach wie vor behauptet werden.
Im Europapokal wartete mit dem AS Rom nun ein echter Kracher, bei dem sich die Bayern im Hinspiel durch einen 2:0 Sieg eine hervorragende Ausgangssituation für das Rückspiel auf italenischem Boden holten. Doch auch im Olympiastadion zu Rom setzte sich der deutsche Pokalvertreter mit einem Sieg durch. 2:1 lautete das Auswärts-Ergebnis, zu dem insbesondere Ludwig Kögl nach seinen jeweiligen Einwechslungen immer wieder mit gefährlichen Dribblings ganz erheblich beigetragen hatte. Ihm blieb es vorbehalten, seine famose Leistung mit einem Siegtreffer zu krönen.
Dermaßen beflügelt wurde auch die Hürde im nationalen Pokal souverän genommen. Im Ulrich-Haberland-Stadion zu Leverkusen setzte sich der Titelverteidiger ohne große Mühe mit 3:1 gegen Bayer 04 durch. Prompt lief es auch in der Liga wieder besser. Zu den teilweise auch torreichen Erfolgen über Köln, Stuttgart, Düsseldorf und Schalke gesellten sich auswärts auch Unentschieden in Mannheim und Frankfurt. EIne gute Punkteausbeute im März des Jahres 1985, die für eine breite Brust bei den zukünftigen Aufgaben in den beiden Pokalwettbewerben sorgen würde – so dachte man.
Doch die Mannschaft tat sich schwer. Im Halbfinale des DFB-Pokals kam es mit Borussia Mönchengladbach, immerhin aktueller Tabellendritter der Liga, zur Neuauflage des letzten Endspiels. Als es in München nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, erlebten immerhin 52.000 Zuschauer ein Novum: Im 25.DFB-Pokalspiel des FC Bayern im Olympiastadion ging es erstmals in die Verlängerung. In dieser sorgte ein Elfmeter der Marke “musste-man-nicht-geben” für die Entscheidung. Sören Lerby verwandelte sicher. Glück gehabt!
Nach dem Hinspiel der Europapokal-Halbfinalbegegnung gegen den FC Everton machte sich allerdings Ernüchterung breit. Die starken Engländer ertrotzen sich im Olympiastadion ein 0:0. Im Rückspiel hätte der FC Bayern gegen den kleineren der beiden Liverpooler Klubs beinahe für eine echte Überraschung gesorgt, denn Dieter Hoeneß sorgte mit seinem Treffer für die 1:0 Pausenführung. Doch die Engländer fingen sich relativ rasch, antworteten mit zwei Toren zur eigenen Führung und ließen kurz vor Schluss noch das 3:1 folgen. Ein echtes Ärgernis, denn nach Liverpool FC, Aberdeen, Aston Villa und Tottenham war der FCB damit bereits nun schon zum fünften Mal in Folge an einer britischen Mannschaft gescheitert. Everton setzte sich übrigens im Endspiel gegen Rapid Wien durch und gewann seinen bis heute einzigen europäischen Titel.
Zurück in die Bundesliga. Dort kassierte die Mannschaft in Hamburg ihre zweite Rückrunden-Niederlage. Da jedoch ein Spieltag später die “Elf vom Niederrhein” erneut, und zwar diesmal deutlich, mit 4:0 im Olympiastadion besiegt werden konnte, war die Truppe von Udo Lattek wieder auf Kurs. Nach einem Auswärtspunkt in Bochum und zwei doppelten Punktgewinnen über Leverkusen und Karlsruhe, steuerte das Team zielgerichtet dem möglichen zweiten Double der Vereinsgeschichte nach 1969 entgegen.
Das daraus nichts wurde, ist eine der überraschendsten Endspiel-Entscheidungen des DFB-Pokals. Der DFB hatte sich zuvor, nachdem das Finale jährlich wechselnd irgendwo in der Republik – aber meist in Frankfurt – stattfand, erstmalig dazu entschlossen, sich auf einen dauerhaften Endspielort festzulegen. Hierfür wurde die geteilte Stadt Berlin auserkoren. Eine sehr gute Idee, bis sich dafür eines Tages mal die Profis der Hertha qualifizieren sollten…
Für die Bayern ging die Premiere daneben. Gegen den vermeintlichen Underdog, Bayer 05 Uerdingen, sorgte zwar Hoeneß schnell für die erwartete Führung, doch die Kicker des Chemie-Riesen sorgten postwendend für den Ausgleich. Als Wolfgang Dremmler unmittelbar zu Beginn der zweiten Halbzeit die Rote Karte kassierte, verlor die Mannschaft die Linie und durch ein weiteres Tor der Bayer-Elf schließlich sogar das Spiel. Aber nicht nur das. In seiner achten Endspiel-Teilnahme im DFB Pokal zog der FC Bayern erstmals den Kürzern. Den beeindruckenden Nimbus eines ungeschlagenen Finalisten war der FCB, nach 1982 gegen Aston Villa, nun auch national los. Schade.
Jetzt aber galt alle Konzentration der Meisterschaft, in der noch zwei Spieltage zu absolvieren waren. Mit einem glatten 3:0 Heimsieg über Kaiserslautern schuf man sich eine vorentscheidende Ausgangsposition für den letzten Spieltag in Braunschweig, wo ein Unentschieden gereicht hätte. Der einzig verbliebene Konkurrent um den Titel war Werder Bremen. Die Hanseaten traten allerdings zeitgleich bei Borussia Dortmund an, denen immernoch der Abstieg drohte. Davon befreiten sie sich jedoch mit einem 2:0 über den SVW, so dass der 1:0 Sieg durch den Treffer von Dieter Hoeneß in Braunschweig nur noch das Sahnehäubchen auf einer turbulenten Saison darstellte, die mit der achten Meisterschaft gekrönt wurde.

