Kategorien

Tags

Archive

Letzte Kommentare


15. Feb. 2010

Wie Dombi 1932 mit einer “Reisegesellschaft aus München” den Titel holte

Eine List des Trainers bescherte Bayern erstmals die Deutsche Meisterschaft

“Wir sind Deutscher Meister! Jahrzehntelang ein Traum – heute stolze Wirklichkeit!” So lautete die Schlagzeile in den Clubnachrichten des FC Bayern München im Juli 1932. Der Erfolgscoach hieß damals Richard Dombi. Bis es allerdings soweit war mit dem ersten Titelgewinn, musste “Little” Dombi, wie er von seinen Spielern aufgrund seiner Körpergröße genannt wurde, jedoch noch Schwerstarbeit leisten in der Saison 1931/32. Davon berichten wir in unserem zweiten Teil der Serie über unseren ersten Meistertrainer des FC Bayern, die der Würzburger Sportantiquar Andreas Wittner zusammengestellt hat.

Mit “Wiggerl” Hofmann, “Pötschge” Pöttinger und “Mile” Kuterer galt es in der Saison 1931/32 drei gestandene Internationale, wie die Nationalspieler damals genannt wurden, zu ersetzen. Die Stürmer Hofmann (250 Tore in 504 Spielen) und Pöttinger (375 Tore in 340 Spielen) mussten ihre Karriere verletzungsbedingt aufgeben. Kutterer, der langjährige Verteidiger, beendete seine Laufbahn beim FC Bayern. Zudem fielen mit Spielführer Conny Heidkamp und Sigmund Haringer im Meisterjahr zwei weitere Nationalspieler über längere Zeit aus.

Geschickt gelang es jedoch Trainer Dombi diese Korsettstangen der Mannschaft durch junge, begabte Nachwuchskräfte wie Breindl, Krumm, Rohr und Bader zu ersetzen. Zum sechsten Mal in Folge gewann der FC Bayern 1931/32 die Bezirksmeisterschaft von Sübayern. Und über die Spiele um die Süddeutsche Meisterschaft gelang es den Bayern zum vierten Mal nach 1926, 1928 und 1929 die Berechtigung zur Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft zu erreichen.

In dieser wichtigsten Phase der Saison war es nun Richard Dombi selbst, bei der den Verantwortlichen und Aktiven des FC Bayern Besorgnis aufkommen ließ. Die Münchner Sportzeittschrift “Fußball” beschrieb die Situation eine Woche vor dem Endspiel in Nürnberg am 12. Juli 1932 gegen Eintracht Frankfurt folgendermaßen: “Dombi, der das Vertrauen seiner Vereinsleitung und Mannschaft in vollstem Maße genießt, sieht augenblicklich nicht besonders gut aus. Eine schwere Erkältung, eine Art Grenzfall von Lungenentzündung mit bösartighohem Fieber hätte ihn beinahe in diesen Wochen außer Gefecht gesetzt, in denen ihn die Mannschaft nötiger denn je braucht. Mit einer geradezu eisernen Energie ist Dombi der Krankheit Herr geworden. Die Spieler haben seine Sorge bisher keine Minute entbehren brauchen. Für Dombi gilt nur die Aufgabe, seine Mannschaft am 12. Juni um vier Uhr in der Form auf den Höhepunkt des Jahres darstellt. Dass er der richtige Mann ist, bezweifelt niemand, der den Werdegang der Bayern in diesem Jahr verfolgt hat, der das Gesicht der Mannschaft, wie sie jetzt steht, mit dem zu Saisonbeginn vegleicht. Dombi selbst schweigt sich über ´sein System´gründlich aus, man merkt nur seinen geradezu fanatischen Glauben an sich selbst, seine Mannschaft und den Enderfolg.”

Nach den Siegen in der im K.o.-System ausgespielten Vorrunde gegen den SC Minerva Berlin (4:2), den Polizei SV Chemnitz (3:2) und den 1. FC Nürnberg (2:0) stand der fc Bayern im 32. Jahr seiner Vereinsgeschichte also erstmal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Am besagten 12. Juni hieß der Gegner in Nünrberg Eintracht Frankfurt. Um im Vorfeld unnötige Unruhe von der Mannschaft fern zu halten, ließ sich Dombi eine ganz besondere List einfallen. Es gelang ihm, den Aufenhaltsort der Bayern-Delegation bis einige Stunden vor Spielbeginn geheim zu halten. Während die Presse und die Fans sie in Fürth oder im Nürnberger Umland vermutetetn, residierte eine 20-köpfige “Reisegesellschaft” aus München unerkannt mitten in Nürnberg im “Württemberger Hof” gegenüber dem Hauptbahnhof.

Dombi ging sogar so weit, dass er außer Spielbetriebsobmann Harlander und Vizepräsident Hermann keine weitere Person einweihte. Die beiden Mitwisser mussten sich per Ehrenwort zum Stillschweigen verpflichten. Dies hatte zur Folge, dass Präsident Kurt Landauer wegen der auferlegten Unwissenheit sogar seinen Rücktritt in den Raum stellte. Aber auch hier gelang es dem Meistertrainer, dem ein sehr ausgeprägtes psychologisches Einfühlungsvermögen nachgesagt wurde, Herr der Lange zu bleiben und den Präsidenten von der Notwendigkeit seines Planes zu überzeugen. Der Ausgang des gewonnenen Endspieles, die Frankfurter Eintracht wurde mit 2:0 durch Tore von Rohr und Krumm geschlagen, sollte ihm im Nachhinein auf ganzer Linie recht geben.

Bei den sich anschließend ausgelassenen Feierlichkeiten in Nürnberg war er dann wohl einer der wenigen, die kühlen Kopf bewahrten. Schließlich fühlte er sich weiterhin für seine Schützlinge verantwortlich. In der Vereinschronik ist nachzulesen, “Um 4 Uhr früh mussten leider die beruflich ohne Urlaub gebliebenen den Zug nach München nehmen, um morgens um 8 Uhr pünktlich im Büro oder an der Arbeit zu sein, darunter unser Schmid Hansi und auch der Villinger Schmid. Dombi hatte seine liebe Mühe, sie alle noch rechtzeitig zum Zuge zu bringen.”

Wen verwundert es da, dass er von seinen Spielern fast abgöttisch verehrt wurde. Rechtsaußen “Berge” Bergmaier wusste im Herbst 1932 im “Fußball” unter der Überschrift “Für mich kommt nur Dombi in Frage!” Folgendes über seinen Trainer zu berichten: “Wenn unsere Mannschaft in diesem Jahre die Deutsche Meisterschaft erringen, wenn sie überhaupt die schweren Spiele durchsetzten konnte, die wir auf dem Weg ins Endspiel bestreiten mussten, dann hat unser prachtvoller Trainer ein Hauptverdienst daran. Ich wüsste niemand, der so bersorgt um seine Mannschaft ist, so jederzeit restlos für seine Leute da ist wie unser Dombi! Meister in der Behandlung von Verletzungen, die uns ja die Ligakämpfe leider in so überreichem Maß bescheren, ist er uns als Fitmacher und Mann, der seine Spieler in ständiger Kondition zu halten versteht, ein nicht wegzudenkender Faktor in unserer Elf.”

In den “Club-Nachrichten des FC Bayern” vom Juli 1932 beschließt der Chronist Sigillus seine Laudatio auf den Meistertrainer mit den Worten “Neben seinen ausgezeichneten Fähigkeiten als Sportlehrer ist er in diesen zwei Jahren der Mannschaft ein aufrichtiger Freund und Berater geworden, und es wäre zu wünschen, wenn er ihr und unserem Club noch lange erhalten bliebe.”

Die Geschichte wollte es jedoch, dass er dem FC Bayern lediglich noch ein gutes Dreivierteljahr erhalten bleiben sollte. Ebenso wie Präsident Kurt Landauer war Richard Dombi jüdischen Glaubens. Nach der politischen Machtergreifung der Nationalsozialitisten ließ der neu eingesetzte Reichsführer Hans von Tschammer und Osten Anfang Mai 1933 in einer Rundfunkrede unter anderem folgende Aussage verlautbaren: “Für uns bedeuten die Leibesübungen Dienst am deutschen Menschen, Erhaltung und Pflege unserer Rasse. Ich will nicht übe einen Kamm scheren, aber dass es dem jüdischen Turner und Sportler im neuen Deutschland nicht möglich ist, eine führende oder mitbestimmende Stellung einzunehmen, hat er unterdessen selbst eingesehen.”


FC Bayern Trikot Home 2010-2011 bestellen

Folge uns…

... bei Twitter

Blogroll

Meta

Better Tag Cloud