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16. Nov. 2009

Der FC Bayern hatte in Deutschland Liga-Maßstäbe gesetzt. 25 Siege in 34 Bundesliga-Spielen (davon 16-mal zu Hause) und ein um 64 Tore positiveres Torverhältnis (93:29) in der Saison 1972/1973 sind noch heute gültige Bestmarken. Da verwundert es nicht, dass man nun endlich den “Pott”, den Europapokal der Landesmeister, nach München holen wollte.

Die Mannschaft war an sich personell bestens hierfür bestückt und so verstärkte man sich in der Sommerpause 1973 nur punktuell. Neben Stürmer Bernd Gersdorff, der noch während der Hinrunde wieder zurück nach Braunschweig ging, kam mit der damaligen Rekord-Ablösesumme Jupp Kapellmann als Allrounder vom 1.FC Köln.

Die Personalkosten waren hoch und so hetzte Präsident Neudecker die Truppe in der Vorbereitung und auch noch nach Saisonbeginn von einem Freundschaftsspiel zum nächsten. Bis zum Hinrunden-Spiel im Europapokal hatte man 31 Spiele in 65 Tagen absolviert, dabei auch 1859 München mit 3:0 geschlagen und auf dem Weg zu einem Tunier in Spanien Qualitäten gezeigt, die jedem Groundhopper die Ehre gereicht hätten: Auf dem Weg nach Bilbao musste das Flugzeug wegen Nebels in Saragossa landen. Am nächsten Tag wurden die restlichen 400 Kilometer bei sengender Hitze im Bus zurückgelegt. Erst 20 Minuten vor Anpfiff erreichte man das Stadion und fegte nebenbei Real Madrid 5:1 vom Platz.

Fortune gegen Fortuna: Nach holprigem Beginn in der Bundesliga, mit spät sichergestellten Siegen gegen Fortuna Düsseldorf und Liga-Neuling SC Fortuna Köln kam das Team 1973/1974 so richtig in Fahrt. Erster Hinrundenhöhepunkt war dabei ein 5:5 bei Schalke. Auch ein 3:0 oder 4:1 Vorsprung reichte den “Knappen” in der Glückaufkampfbahn nicht. Das 5:5 stellt bis heute das höchste Bundesliga-Unentschieden des FC Bayern dar. Gegen Atvidaberg FF begann die Expedition in Richtung Europas Thron. Es war ein müder Kick, denn mit diesem Spiel hatte der Kader bereits 31 Spieöe in 65 Tagen absolviert. Wenn auch durch ein Eigentor auf beiden Seiten, sah der Hinspiel-Erfolg mit 3:1 noch normal aus. Weniger normal war hingegen das Endresultat im Rückspiel, nämlich ebenfalls 3:1 – allerdings für den schwedischen Meister. Erst Hoeneß Treffer in der 73.Minute ermöglichte die Verlängerung und das schlussendlich erfolgreiche Elfmeterschießen. Besondere Gefallen fand Wilhelm Neudecker am zweifachen Torschützen Conny Torstensson. Nachdem er gegen Bayern nur rote Fussballschuhe trug, trug er bereits zur Rückrunde das rote Bayern-Trikot. Die schwedische Zeitung “Sydsvenska Dagbladet” schrieb: ” Ein spannenderes und dramatischeres Spiel hat es in ganz Skandinavien noch nicht gegeben.”

Gegen die immer noch weit verbreitete Meinung, dass Bayern nur unterkühlt erfolgreichen Fussball zeigte, sprach nicht nur das Spiel auf Schalke, sondern auch die Pleite am 12.Spieltag in der Pfalz. Eine verdiente 4:1 Halbzeitführung auf dem Betzenberg verlor man am Ende hin noch mit 7:4. Trainer des FCK: Erich Ribbeck. Das Spiel gilt heute noch als Sinnbild für erfolgreichen Kampfgeist und fester Bestandteil in der Vorberichterstattung heutiger Paarungen zwischen FCK und FCB.

Denkbar schlechte Voraussetzungen für die nächsten Aufgaben im Europapokal. Während die Münchner Tageszeitungen zunächst nur über Ajax oder Atletico Madrid als mögliche Gegner im Europapokal spekulieren, bescherte die Auslosung den DDR-Meister Dynamo Dresden. Was aber zunächst folgte, war eine Krisensitzung im Trainingslager in Rottach-Egern. Neudecker: “Wer glaubt, nicht die volle Leistung bringen zu können, soll die Hand heben. Er bekommt von mir die sofortige Freigabe.” Es hob aber niemand die Hand. Ende der Aussprache. Die Sachsen, und damit der erste deutsch-deutsche Vergleich im Europapokal überhaupt, konnten kommen.

Schon im Hinspiel, in München, tat man sich gegen die Elbstädter sehr schwer. In einem sportlichen, aber dennoch nicht minder politischen Vergleich lag man zur Pause doch tatsächlich 2:3 zurück. Erst in der 83.Minute erlöste Gerd Müller mit seinem Siegtreffer zum 4:3 die Bayern. Der sächsiche Dynamo-Trainer Walter Fritzsch erkläre nach dem Spiel doppeldeutig: ” Bei ihnen wird viel mit Geld gemacht, bei uns müssen die Trainer sehr viel reden. Wir haben eben ein anderes System.” Zur Enttäuschung der zahlreichen Bayern-Fans im Osten änderte man bei der Fahrt zum Rückspiel die Reisepläne und übernachtete trotz reservierter Hotelzimmer noch vor der Zonengrenze in Hof, um erst am Spieltag die Fahrt zum Rudolf-Harbig-Stadion fortzusetzen. Die Vereinsführung machte sich damit eine neue UEFA-Bestimmung zunutze, wonach die Gastmannschaft nun nicht mehr bereits am Vortag des Matches an Ort und Stelle zu sein hatte. Die Befürchtung vor Wanzen bei der Mannschaftsbesprechung und manipuliertem Essen führten zu dieser unpopulären Entscheidung. Wie man mittlerweile weiß, war zumindest die Furcht vor Wanzen nicht abwegig.

Obwohl Uli Hoeneß seinem Gegenspieler Eduard Geyer zweimal davonlief und beide Male einnetzte, konnte die Mannschaft die 2:0 Führung nicht halten und lag erneut mit 2:3 gegen die eine starke Dresdner Mannschaft zurück. Wiederum Müller sorgte schließlich mit seinem 3:3 Ausgleich für eine Überwinterung im Europapokal. Geschafft! Die Bundesliga Hinrunde endete mit einem mitreißenden Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem der FC Bayern dank eines spielstarken 4:3 Erfolges die Herbstmeisterschaft erringen konnte. Eingerahmt wurde dieser Erfolg von der 1. und 2.Runde im DFB-Pokal, bei dem man zuerst den MSV Duisburg zu Hause 3:1 und anschließend den SV Werder Bremen in Bremen 2:1 besiegen konnte.


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