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20. Jul. 2010

In der Sommerpause muss man seine Leser auch mal mit einem Highlight verwöhnen! Heute gibt es daher ein Interview von mir, mit Dominic von fcbayern-museum.com.

Jan: Dominic schön, dass du Zeit für ein Interview gefunden hast. Wir haben uns ja vor ein paar Jahren über unsere Leidenschaft dem Trikotsammeln kennengelernt. Wie war allgemein dein Start in den Fussball?

Dominic: Ja vielen Dank, dass Du mich interviewst. Freut mich! Der Start in den Fussball war warscheinlich wie bei vielen anderen auch. Als kleiner Junge steckte mich meine Mutter in Bayern Bettwäsche und in jungen Jahren gab es in Herborn (Nordhessen) vor einigen Jahren dann das erste Livespiel. Danach stieg das Interesse am Fussball natürlich immer weiter an. Mein erstes Livespiel in der Bundesliga war übrigens FC Bayern : Schalke.

Jan: Du warst ein paar Jahre recht aktiv bei allen Bayern-Spielen, egal ob heim oder auswärts vor Ort. Wie kam es dazu und wie sah die Serie aus?

Dominic: Das Interesse am Fussball und den Stadionbesuchen steig bei mir von Jahr zu Jahr, so dass ich mit Beginn der Saison 2001/2002 eine Serie starten konnte und sieben Jahre am Stück alle Bundesliga-, Europapokal-, DFB-Pokal und Testspiele des FC Bayern live gesehen habe. Bei der Serie habe ich viele tolle Erlebnisse gehabt, wie z.B. das Weltpokalfinale in Tokio 2001, dass unvergessen bleiben wird. Wir hatten einen Flug über Kopenhagen gebucht. Ich sollte in München daher gleich bis Tokio durchchecken. So gab ich der Mitarbeiterin beide Flugtickets. Leider funktionierte der Check-In für Kopenhagen – Tokio nicht. Zurück bekam ich das Ticket aber auch nicht, so dass es in Kopenhagen zu größeren Problemen kam, die mich fast den Flug gekostet hätten. Die Reise nach Tokio zum Weltpokalfinale war in Gefahr. Erst mit einem Fax vom Münchner Flughafen, in dem bestätigt wurde, dass der Flugschein vom Bodenpersonal fälschlicherweise einbehalten wurde, konnte die Sache geklärt werden und ich durfte weiterfliegen. Da die Maschine zudem auch noch überbucht war, bot die Fluggesellschaft damals jedem 600-700 DM, der seinen Flug nach Tokio umbuchen wollte. Nachdem wir aber schon relativ knapp dran waren, waren wir natürlich froh, als wir im Flieger auf dem Weg nach Tokio saßen und am Ende der Weltpokalsieg zu feiern war.

Weitere Highlights waren eigentlich alle Trainingslager in Dubai, die alle sehr lustig waren. Besonders spannend war der Trip vom Trainingslager in Dubai nach Teheran (Iran), wo der FC Bayern ein Testspiel vereinbart hatte. Selbst bei der Einreise in den Iran musste Babsi (Frau von Dominic) damals mit Schleier einreisen und durfte die komplette Zeit in Teheran nur mit Schleier rumlaufen.

Jan: Wie kam es zum Ende der Serie?

Dominic: Der Umgang mit den wahren Fans hat sich in den letzten Jahren leider extrem verändert. Persönlich muss ich sagen, dass ich mich nicht mehr so wohlfühle wie früher. Die Behandlung der Fans ist nicht mehr so, dass es passt. Der Spaßfaktor ist geringer geworden und leider ist der Stress der Reisen irgendwann doch zu groß geworden. 1500 Livespiele und in der besten Saison mit fast 300 Livespielen (Profis, Amateure, usw.) sind schon heftig und wirklich anstrengend.

Anmerkung:  Ja, dass kann ich gut verstehen, auch mir geht es immer mehr so, dass es keinen großen Spaß mehr macht. Mein Highlight der letzten Saison Bayern Amateure : Rot-Weiß Erfurt, als unter der Woche ca. 30 Erfurter die Fahrt nach München auf sich genommen hatten und von ca. 400 Polizisten empfangen wurden. Sorry, aber das geht echt zu weit…

Jan: Du bist ja in der “Matchworn-Szene”, seit Jahren als Sammler bekannt udn wirst von allen Seiten als größter Bayern-Trikotsammler aktzeptiert und angesehen. Wie ging das mit den Spielertrikots bei Dir los?

Dominic: So richtig los ging es eigentlich, als Babsi und ich geheiratet haben und uns die damalige Bayern Damenmannschaft zwei unterschriebene Trikots geschenkt hat. Fanshoptrikots hatten wir vorher schon gesammelt. Die Idee war, dass alle Heim-, Auswärts- und Europapokaltrikots gesammelt werden sollten. Nachdem wir die beiden Trikots der Damenmannschaft (Climacool mit Innenhemd) bekommen hatten, wurden die originalen Spielertrikots natürlich immer interessanter. Richtig angefangen haben wir 2002, Babsi hatte vor einigen Jahren zwar das erste richtige Spielertrikot von Norbert Nachtweih, ein weißes Europapokaltrikot, geschenkt bekommen, aber der Unterschied war uns damals gar nicht so bewusst. Von den Bayern Damen bekamen wir immer mehr Trikots, so dass auch die Sammlung immer größer wurde.

Jan: Wie war das 2002, ich denke der Markt auf Ebay war noch nicht so vorhanden wie heute, oder?

Dominic: Nein, 2002 war das alles noch recht überschaubar. Damals musste man, bzw. konnte man noch, die Spieler fragen oder Kontakt zu älteren Spielern aufbauen. Bei Ebay gab es damals maximal fünf Trikots bei der Suche nach “matchworn”. Es gab drei große Sammler (Helmut, Sasha und mich), daneben noch ein paar weitere Sammler, die ein bißchen sammelten. Die erste große Auktion bei Ebay war übrigens ein Original 60er Jahre Europapokaltrikot, dass für 660 Euro versteigert wurde. Leider fehlt es mir bis heute in der Sammlung! Mit den Climacool Trikots ging es bei uns eigentlich erst richtig los, da uns erst hier die Unterschiede zwischen Fantrikot und Spielertrikot wirklich bewusst wurden. Die Auktionen bei Ebay wurden dann von Zeit zu Zeit auch immer mehr, so dass die Sammlung immer größer und spannender wurde. Inzwischen haben wir über 620 reine Spielertrikots, da die Fanshoptrikots irgendwann aussortiert wurden.

Jan: Ich kenne eure Sammlung ja, durfte schon zweimal die Vitrine begutachten. Ihr mit Sicherheit mehr Geschichte über unseren Verein, als der Verein selber in der Säbenerstr. stehen hat. Das ist wirklich sensationell! Welche Trikots sind eure Highlights in der Sammlung?

Dominic: Das ist echt schwer zu beantworten, aber die Highlights sind sicherlich folgende: Das Robben Trikot aus dem letzten CL-Finale, das UEFA Cup Trikot aus dem Spiel in Nottingham 95/96 von Mehmet Scholl und Lothar Matthäus, das Gerd Müller Trikot von 1967 aus dem Endspiel im Pokal der Pokalsieger 1967 in Nürnberg, alle anderen richtig alten Trikots und weiße mit rotem Flock stehen bei uns auch hoch im Kurs. Jede Epoche hat ihren eigenen Charme, da fällt es schwer, wirklich besondere Trikots herauszuheben.

Jan: Habt ihr ein paar spannende Anekdoten zu dem ein oder anderen Trikot, die ihr verraten könnt?

Dominic: Lustig, war z.B. das ich mal bei einer Choreo im Stadion einem Fan ein originales Elber CL Trikot (silber) für 50 Euro abkaufen konnte. Schnell war ich z.B. beim Agila Trikot, dass ein Freund des Nürnberger Zeugwarts verkaufte und ich innerhalb einer Stunde über die Autobahn nachhause gerast bin. Toll war damals, nach dem Artikel im Bayern Magazin (Dominic und Babsi wurden auch schon einmal für das Bayern Magazin interviewt), dass sich ein alter Handballer des FC Bayern gemeldet hatte und uns einige Trikots zur Sammlung überlassen hat. Besonders gefreut hat uns das Aufstiegstrikot von Karl Borutta, dass uns seine Witwe zur Sammlung gegeben hat. Ein besonderes Stück Geschichte des FC Bayern!

Jan: Was sind eure Ziele für die Sammlung?

Dominic: Ziel wäre die Vollständigkeit, aber die dürfte nur sehr sehr schwer zu erreichen sein. Die größte Sammlung rund um den FC Bayern dürfte es vermutlich schon sein.

Jan: Wie bewahrt ihr die seltenen Stücke auf?

Dominic: Zum Teil hängen die Trikots bei uns in der Vitrine, die wir von einem Schreiner haben bauen lassen oder die Trikots liegen in Plastikbeuteln in Kisten.

Jan: Habt ihr Tipps und Tricks für andere Sammler?

Dominic: Klar haben wir nach all den Jahren auch Tipps und Tricks für andere Sammler. Nutzt das Forum auf unserer Webseite, wenn es um den FC Bayern geht. Ansonsten empfehlen wir Originalbilder vom jeweiligen Spiel oder Trikot im Internet zu suchen. Oft kann man auch mit Kontakten viel erreichen und sich austauschen.

Jan: Habt ihr Wünsche für die Zukunft?

Dominic: Klar, ein paar Wünsche hat man immer. Leser des Interviews, die vielleicht noch das ein oder andere alte Trikot im Schrank hängen haben, können sich gerne melden. (Direkt bei Dominic oder bei uns -> Kontaktdaten geben wir dann gerne weiter!) Ansonsten würden wir uns etwas mehr Unterstützung vom Verein wünschen. Ein weiterer Wunsch wäre vielleicht auch eine Art Börse einzurichten, wie es z.B. Austria Wien einmal im Jahr macht. Dort können Fans und Liebhaber von originalen Spielertrikots, die Trikots der vergangenen Saison ersteigern oder kaufen. Tolle Sache!

Jan: Ich danke Dir für das Interview und wünsche noch viel Erfolg beim Sammeln!

Dominic: Danke Dir!

Solltet Ihr euch die Sammlung von Dominic und Babsi einmal ansehen wollen, dann folgt dem Link: FC Bayern Museum

Bei Fragen, Anliegen oder Kommentaren zu diesem Interview könnt Ihr Euch gerne direkt bei mir melden! (Kontaktdaten siehe Impressum)


24. Feb. 2010

Gerade eben gab es News auf der Bayernwebseite! Zur neuen Saison wird es mal wieder ein neues Heimtrikot geben. Zum 110.Geburtstag, den unser FCB am Samstag feiert gibt es das neue Heimtrikot. Leider laufen die Spieler erst wieder am letzten Spieltag im neuen Trikot auf.

Besonders gut sehen die rot-weißen Längsstreifen auf dem Trikot aus, die an die ruhmreichen Zeiten von Legenden wie Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge erinnern sollen.

Zusätzlich ist im Kragen des Trikots das Motiv „Legenden und Loyalität“ eingearbeitet und das Konterfei des erfolgreichsten Stürmers und Rekordtorschützen Gerd Müller. Gerade zum 110-jährigen Jubiläum des FC Bayern am 27. Februar 2010 symbolisiert dieses Motto die Erfolgskomponente der Vereinsgeschichte.

Das Trikot wird am 03.05.2010 in den Handel kommen und 69,95 in den Größen S-XXL und 54,95 Euro in den Kindergrößen kosten.

Noch etwas zur Trikotgeschichte des FC Bayern: Lediglich die ersten sechs Jahre nach Vereinsgründung, spielten die Bayern zunächst in hellblauen Trikots und weißen Hosen. Später dann mit weißen Hosen und schwarzen Trikots und dann entschied man sich bis heute für rote Trikots. Die erste Meisterschaft im Jahr 1932 wurde noch in weißen Hemden und roten Hosen errungen, danach setzte man bis Anfang der 90er Jahre vornehmlich auf zwei Varianten: Längsgestreift in rot-weiß oder komplett in rot gehaltene Dressen.

(Bilderquelle: www.fcbayern.de)


28. Jan. 2010

“Im ganzen war 1978/79 nicht mehr so schlimm wie die Spielzeit davor. Vom Hochhausaufzug, der laufend mit 180 Sachen vom Keller in den 45.Stock und zurück raste, waren wir in einen Paternoster umgestiegen”, freute sich Torhüterlegende Sepp Maier nach dem Chaos-Jahr 77/78 über einen FC Bayern in deutlich ruhigeren Fahrwassern. Das Traumpaar “Breitnigge” – Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner – fand sich, eine neue Erfolgsära kündigte sich an. Erstes Signal: Im Olympiastadion hingen die Trauben für die Gäste wieder höher. Die Münchner mussten nur zwei Heimpleiten in der Liga hinnehmen, eine davon beim 0:1 gegen den späteren Meister HSV. Dem gegenüber standen allerdings eine Reihe Kantersiege wie etwa ein 5:1 gegen Double-Gewinner Köln. Und selbst der “Kaiser” kam nicht ungeschoren davon. Mit Cosmos New York kassierte Franz Beckenbauer in einem Freundschaftsspiel vor 78.000 Zuschauern in der olympischen Arena eine 1:7 Abfuhr.

Ganz ohne böse Überraschungen verlief aber auch diese Saison nicht. In Runde zwei des DFB-Pokals erlebte der FC Bayern eine 4:5 Heimblamage gegen den Zweitligisten VfL Osnabrück. Selbst der stürmende Maier Sepp (“Ich wollte unseren Angreifern mal zeigen, wo das gegenerische Tor steht!”) konnte den peinlichen K.-o. nicht verhindern. In der Bundesliga schmerzte ein 1:7 in Düsseldorf, ins Rennen um den Titel griffen die Bayern nicht ein. Der Grund: Interne Querelen, die in der Entlassung von Coach Gyula Lorant (Dezember´78) und dem Rücktritt von Präsident Wilhelm Neudecker (Frühjahr´79) gipfelten. Neuer Trainer wurde Lorants Assistent Pal Csernai – sehr zum Leidwesen von Gerd Müller. Der Ungar und der Jahrhundert-Torjäger waren wie Hund und Katz. Schließlich nahm der “Bomber der Nation” leise Abschied. Ab Sommer 1979 “müllerte” es nicht mehr im Olympiastadion, sondern in Fort Lauderdale. Zum neuen “Präse” wurde Willi O.Hoffmann gewählt und Uli Hoeneß (damals 27) startete seine einzigartige Managerkarriere. Die Bundesliga beendeten die Bayern mit einem 2:1 bei Meister HSV. Nach einem Jahr Pause bedeutete Platz vier zumindest wieder die Teilnahme am Europacup.

Ganz ohne München kamen die kontinentalen Wettbewerbe aber schon 78/79 nicht aus. Am 30.Mai 1979 bildete das Olympiastadion erstmals die herrliche Kulisse für das Finale im Landesmeister-Cup. 57.000 Zuschauer sahen Nottingham Forest unter Manger-Legende Brian Clough 1:0 gegen Malmö siegen.

So feierlich die Spielzeit für das Olympiastadion endete, so bitter begann die nächste für den FC Bayern. Sepp Maier erlitt im Juli 1979 bei einem Autounfall schwere Verletzungen und musste seine Karriere beenden. Ein Jahr nach dem fatalen Crash sagte die “Katze von Anzing” beim festlichen Abschiedsspiel gegen die Nationalmannschaft “Servus” – Emotionen pur unterm Zeltdach, die legendäre Achse Maier-Beckenbauer-Müller war endgültig Geschichte.

Nach “Katsche” Schwarzenbecks verletzungsbedingtem Aus im August 1979 stand mit Bernd Dürnberger nur noch ein Leistungsträger der triumphalen 70er im Kader. Aber neue Meister Bayern sprangen in die Bresche. Manager Hoeneß und Trainer Csernai hatten um Kapitän Breitner und Torjäger Rummenigge ein schlagkräfitges Team zusammengestellt. Zunächst meldete sich der FCB im Europapokal zurück, wo mit weißer Heimweste erst im Halbfinale gegen den späteren UEFA-Cup-Sieger Eintracht Frankfurt das Aus kam. In der Bundesliga konnte die Münchner keiner aufhalten: Am 31.Mai 1980 präsentierten sie im Olympiastadion endlich wieder die Meisterschale – ihre sechste. Über 70.000 feierten die Bayern, die in einem furiosen Saisonendspurt Titelverteidiger HSV in die Knie gezwungen hatten – nicht zuletzt dank ihrer Heimstärke (nur Köln siegte glücklich in München) und zweier viel umjubelter Derby-Erfolge (2:1 und 6:1) gegen Aufsteiger 1859 vor jeweils 78.000 Zuschauern. Die Presse schwärmte vom “Traumfussball”, feierte vor allem Überflieger Karl-Heinz Rummenigge. Der Torschützenkönig der Bundesliga krönte eine “rote” Spielzeit schließlich noch mit einem EM-Triumph im Nationaltrikot und wurde Deutschlands sowie Europas “Fussballer des Jahres”. Ein neuer Weltstar war geboren, der dem FCB auch in den kommenden Jahren Trophäengarant sein sollte.


20. Jan. 2010

Die ARD hat vor ein paar Tagen ein tolles Portrait über unseren Präsidenten Uli Hoeneß gezeigt. Zum Glück haben wir die Aufnahmen bei Youtube gefunden. Schaut euch das tolle Portrait an! In den Aufnahmen kommen neben Uli Hoeneß, Mehmet Scholl, Gerd Müller, Paul Breitner, Franz Beckenbauer und einige Jugendfreunde zu Wort.






30. Dez. 2009

Nach 7:1 Sieg gegen die Löwen – Start in die Saison der Rekorde

Während Fussball-Deutschland in erster Linie über den Bundesliga-Skandal diskutiert, in dem Spieler und Vereine im Abstiegskampf der vergangenen Saison Spiele manipuliert hatten, startet der FC Bayern, als einer der Vereine mit “weißer Weste” mit großen Ambitionen in die Spielzeit 1971/72, welche die letzte im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße war. Im Sommer 1972 soll der Umzug ins neue Olympiastadion erfolgen.

Vor allem die am letzten Spieltag an Borussia Mönchengladbach verlorene Meisterschaft wollen die Mannen von Trainer Udo Lattek, dem es in dieser Saison gelang die Nachwuchsspieler Uli Hoeneß, Paul Breitner, Willi Hoffmann und Edgar Schneider in die Mannschaft zu integrieren, wieder an die Isar holen. Gegen die Verteidigung des DFB-Pokals, der in dieser Saison erstmalig mit Hin-und Rückspiel ausgetragen wurde, hätte man natürlich auch nichts einzuwenden.

Die Vorbereitung bestreitet unser Team diesmal mit einem wahren Spiele-Marathon. Gleich am ersten Trainingstag nach der Sommerpause treten Beckenbauer & Co. beim FC Garmisch an. Bis zum 10.August gibt es fast jeden Tag ein Freundschaftsspiel, insgesamt 16 Partien! Höhepunkt der Vorbereitung ist sicher das Derby gegen den damaligen Regionalligisten TSV 1859 München. 36.000 Zuschauer sehen eine hochüberlegene Mannschaft in Rot, die nach dem 0:1 Rückstand aufwacht und den Gegner nach Belieben dominiert. Der 7:1 Erfolg bedeutet den höchsten Derbysieg nach dem Krieg. Nach der ungewöhnlichen Vorbereitung kommt unsere Mannschaft zunächst nur zögerlich in Tritt. Am ersten Spieltag kann Franz Krauthausen die Führung von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf noch vor der Pause ausgleichen. Bei Temperaturen von 35 Grad Celsius im Grünwalder Stadion schießen Breitner und Beckenbauer den standesgemäßen 3:1 Erfolg heraus.

Am zweiten Spieltag erwartet der Vorjahresdritte Hertha BSC mit 73.000 Fans im Berliner Olympiastadion den Vizemeister. Uli Hoeneß und Gerd Müller können die zweimalige Führung der Berliner jeweils ausgleichen, so dass ein Punkt beim FC Bayern bleibt. Auch im zweiten Heimspiel der Saison gegen Eintracht Braunschweig geht der Gast zunächst in Führung. Unsere Mannschaft, die unter der Woche noch an einem Turnier in Barcelona teilgenommen hat, kann das Spiel jedoch wieder drehen. Nach dem postwendenen Ausgleich von Johnny Hansen, erzielen Rainer Zobel und zweimal Beckenbauer in der letzten Viertelstunde die Treffer zum 4:1 Erfolg.

Drei Tage später im Auswärtsspiel bei Rot-Weiß Oberhausen ist es wiederum ein später Treffer, der den “Rothosen” einen Punkt bringt. Johnny Hansen trifft in der 82.Minute zum 1:1. Obwohl in den ersten vier Partien spielerisch noch nicht alles nach Wunsch, zeigt die Mannschaft Moral und kämpferische Fähigkeiten; und obwohl insgesamt fünfmal in Rückstand geraten, verliert sie kein Spiel und holt 6:2 Punkte, was den zweiten Tabellenplatz hinter Schalke bedeutet.

Am fünften Spieltag kommt es dann vor 40.000 Zuschauern an der Grünwalder Staße zum Topmatch gegen den Meister Mönchengladbach. Haben die Niederrheiner in der letzten Saison unserer Elf am letzten Spieltag noch den Titel vor der Nase weggeschnappt, lässt sie diesmal keine Zweifel an der neuen Hackordnung in Deutschland aufkommen. Ab der ersten Minute setzt die Elf um den überragenden Mittelfeld-Motor “Bulle” Roth die Borussen unter Druck. Die Tore von Roth und Hoeneß in der ersten halben Stunde sind letztendlich die logische Folge dieser Überlegenheit. Obwohl die Bayern weiterhin das Spiel bestimmen, fallen keine weiteren Tore mehr. Brenzlig fürs Bayern-Tor wird es noch einmal als Gerd Müller (!) auf der Torlinie klären muss.

Beflügelt von diesem Erfolg kann die Elf um Franz Beckenbauer auch den Betzenberg erklimmen. Unser Kapitän bestreitet sein 200.Bundesligaspiel an seinem 26.Geburtstag. Rainer Zobel und Gerd Müller schenkten ihm jeweils ein Tor beim 2:0 Erfolg. Der FC Bayern bleibt punktgleich mit Tabellenführer Schalke 05 auf dem zweiten Tabellenplatz.


5. Dez. 2009

Jubel zum Saisonabschluss 1971 trotz des Scheiterns in der Meisterschaft.

Die Spannung bis zum Saisonabschluss ist in der Spielzeit 1970/1971 garantiert. Seit Monaten marschieren Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern gleichauf in Richtung Meisterschale. Am vorletzten Spieltag liegen die Fohlen vom Niederrhein bei Punktgleichheit einen einzigen Treffer vor den “Rothosen”. Ausgerechnet in dieser wichtigen Entscheidungsphase der Meisterschaft werden Gerd Müller und Charly Mrosko vom DFB-Sportgericht für acht bzw. zwei Wochen vom Spielbetrieb gesperrt.

Unglaubliche Begründung sind dubiose Platzverweise vor fünf Monaten bei einem Freundschaftsspiel in Peru! Beiden hatten bisher immerhin 30 der 70 Treffer erzielt, was den Sturmdrang natürlich erheblich hemmte. Dennoch wird durch Treffer von Beckenbauer, Zobel, Brenninger und Hoeneß die Eintracht aus Braunschweig deutlich mit 4:1 geschlagen. Borussia Mönchengladbach gewann zeitgleich 4:3 gegen Rot-Weiß Essen. Das bedeutet, dass der FC Bayern am vorletzten Spieltag mit einem Tor Vorsprung die Tabellenspitze übernahm. Größere Spannung ist kaum mehr möglich!

Der letzte Spieltag lässt die Bayern bei den “Zebras” vom MSV Duisburg gastieren, während Borussia Mönchengladbach bei der Frankfurter Eintracht antritt. Bis zur Halbzeit läuft alles nach Plan. Das 0:0 lässt die Titelhoffnung wachsen, denn Gladbach kommt in Frankfurt bis zu diesem Zeitpunkt auch nur zu einem 1:1. Doch in der hitzigen Atmosphäre im Wedaustadion (der Münchner Merkur berichtet von “skandalösen Begleitumständen” und “Südamerika-Fussball”) – kann unsere Mannschaft in der zweiten Hälfte nicht mehr dagegenhalten und verliert nach einem Doppelschlag von Rainer Budde 0:2. Dabei bleibt der FC Bayern erstmals seit acht Monaten ohne Torerfolg. Wer weiß, wie es mit Gerd Müller, der auch die Torjägerkrone an den Oberhausener Lothar Kobluhn abtreten musste, ausgesehen hätte! Durch Treffer von Köppel und zwei Mal Heynckes gewinnt die Borussia in Frankfurt noch 4:1 und verteidigt damit den Meistertitel.

Doch ein Tag nach der Meisterschaftsentscheidung beherrschen negative Schlagzeilen das Bundesligageschäft. MItgeschnittene Telefongespräche beweisen, dass im Abstiegskampf manipuliert wurde. Der Bundesliga-Skandal nimmt seinen Lauf, in welchen der FC Bayern nicht verwickelt ist. Aber es gibt auch positive Meldungen im Fussball. Die Sperre von Gerd Müller wird mit Wirkung vom 18.Juni aufgehoben. Damit ist Müller im Pokalfinale gegen den 1.FC Köln dabei. Die Bayern atmen auf, denn unser treffsicherster Angreifer hatte sich auf dem Weg ins Finale als wahre Tormaschine präsentiert. Zehn der insgesamt sechzehn Treffer erzielte der “Bomber der Nation” im Pokalwettbewerb dieser Saison.

Vor dem Anpfiff des Finales im ausverkauften Stuttgarter Neckarstadion darf Müller dann sogar als erster deutscher Spieler überhaupt den “Goldenen Fussball” für den besten Spieler Europas des Jahres 1970 in Empfang nehmen. Im Endspiel selbst kann sich Müller ausnahmsweise mal nicht als Torschütze hervorheben, Im Gegenteil, lange Zeit sieht es nicht gut für die Bayern aus. Nach knapp einer Viertelstunde nutzt Bernd Rupp ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr kompromisslos aus und bringt die Kölner in Führung. In der Folge entwickelt sich ein echtes Spitzenspiel, das anschließend einvernehmlich als das bis dahin beste Finale der Pokalgeschichte gewertet wird.

Besonders Franz Beckenbauer drückt der Partie seinen Stempel auf. So ist es auch der Kaiser höchstpersönlich, der in der 52.Spielminute den Ausgleich erzielt. “Der Franz riskiert jetzt viel mehr als früher. Wir haben uns schon daran gewöhnt, hinten öfter mal alleine zu sein”, bringen “Katsche” Schwarzenbeck die Offensiv Ausflüge seines Liberos nicht aus der Ruhe. Doch ab der 71.Minute müssen die Bayern nach einer Tatlichkeit von Koppenhöfer gegen Hannes Löhr und dem folgenden Platzverweis in Unterzahl gegen die Domstädter bestehen.

Aber auch mit zehn Mann haben die Bayern das bessere Ende für sich. Edgar Schneider, für “Bulle” Roth ins Spiel gekommen, erweist sich als echter Glücksgriff. Aus 20 Meter Entfernung drischt er zwei Minuten vor Ende der Verlängerung das Leder in den rechten Winkel des Kölner Tores. Der fünfte Bayernsieg im fünften Pokalfinale ist perfekt, während die mitgereisten 15.000 Bayern-Fans in einen Freudentaumel versetzt sind. Für Trainer Udo Lattek ist es der erste Titel. Es sollte nicht der letzte bleiben…

Erinnerungen aus dem Bayern Magazin


16. Nov. 2009

Der FC Bayern hatte in Deutschland Liga-Maßstäbe gesetzt. 25 Siege in 34 Bundesliga-Spielen (davon 16-mal zu Hause) und ein um 64 Tore positiveres Torverhältnis (93:29) in der Saison 1972/1973 sind noch heute gültige Bestmarken. Da verwundert es nicht, dass man nun endlich den “Pott”, den Europapokal der Landesmeister, nach München holen wollte.

Die Mannschaft war an sich personell bestens hierfür bestückt und so verstärkte man sich in der Sommerpause 1973 nur punktuell. Neben Stürmer Bernd Gersdorff, der noch während der Hinrunde wieder zurück nach Braunschweig ging, kam mit der damaligen Rekord-Ablösesumme Jupp Kapellmann als Allrounder vom 1.FC Köln.

Die Personalkosten waren hoch und so hetzte Präsident Neudecker die Truppe in der Vorbereitung und auch noch nach Saisonbeginn von einem Freundschaftsspiel zum nächsten. Bis zum Hinrunden-Spiel im Europapokal hatte man 31 Spiele in 65 Tagen absolviert, dabei auch 1859 München mit 3:0 geschlagen und auf dem Weg zu einem Tunier in Spanien Qualitäten gezeigt, die jedem Groundhopper die Ehre gereicht hätten: Auf dem Weg nach Bilbao musste das Flugzeug wegen Nebels in Saragossa landen. Am nächsten Tag wurden die restlichen 400 Kilometer bei sengender Hitze im Bus zurückgelegt. Erst 20 Minuten vor Anpfiff erreichte man das Stadion und fegte nebenbei Real Madrid 5:1 vom Platz.

Fortune gegen Fortuna: Nach holprigem Beginn in der Bundesliga, mit spät sichergestellten Siegen gegen Fortuna Düsseldorf und Liga-Neuling SC Fortuna Köln kam das Team 1973/1974 so richtig in Fahrt. Erster Hinrundenhöhepunkt war dabei ein 5:5 bei Schalke. Auch ein 3:0 oder 4:1 Vorsprung reichte den “Knappen” in der Glückaufkampfbahn nicht. Das 5:5 stellt bis heute das höchste Bundesliga-Unentschieden des FC Bayern dar. Gegen Atvidaberg FF begann die Expedition in Richtung Europas Thron. Es war ein müder Kick, denn mit diesem Spiel hatte der Kader bereits 31 Spieöe in 65 Tagen absolviert. Wenn auch durch ein Eigentor auf beiden Seiten, sah der Hinspiel-Erfolg mit 3:1 noch normal aus. Weniger normal war hingegen das Endresultat im Rückspiel, nämlich ebenfalls 3:1 – allerdings für den schwedischen Meister. Erst Hoeneß Treffer in der 73.Minute ermöglichte die Verlängerung und das schlussendlich erfolgreiche Elfmeterschießen. Besondere Gefallen fand Wilhelm Neudecker am zweifachen Torschützen Conny Torstensson. Nachdem er gegen Bayern nur rote Fussballschuhe trug, trug er bereits zur Rückrunde das rote Bayern-Trikot. Die schwedische Zeitung “Sydsvenska Dagbladet” schrieb: ” Ein spannenderes und dramatischeres Spiel hat es in ganz Skandinavien noch nicht gegeben.”

Gegen die immer noch weit verbreitete Meinung, dass Bayern nur unterkühlt erfolgreichen Fussball zeigte, sprach nicht nur das Spiel auf Schalke, sondern auch die Pleite am 12.Spieltag in der Pfalz. Eine verdiente 4:1 Halbzeitführung auf dem Betzenberg verlor man am Ende hin noch mit 7:4. Trainer des FCK: Erich Ribbeck. Das Spiel gilt heute noch als Sinnbild für erfolgreichen Kampfgeist und fester Bestandteil in der Vorberichterstattung heutiger Paarungen zwischen FCK und FCB.

Denkbar schlechte Voraussetzungen für die nächsten Aufgaben im Europapokal. Während die Münchner Tageszeitungen zunächst nur über Ajax oder Atletico Madrid als mögliche Gegner im Europapokal spekulieren, bescherte die Auslosung den DDR-Meister Dynamo Dresden. Was aber zunächst folgte, war eine Krisensitzung im Trainingslager in Rottach-Egern. Neudecker: “Wer glaubt, nicht die volle Leistung bringen zu können, soll die Hand heben. Er bekommt von mir die sofortige Freigabe.” Es hob aber niemand die Hand. Ende der Aussprache. Die Sachsen, und damit der erste deutsch-deutsche Vergleich im Europapokal überhaupt, konnten kommen.

Schon im Hinspiel, in München, tat man sich gegen die Elbstädter sehr schwer. In einem sportlichen, aber dennoch nicht minder politischen Vergleich lag man zur Pause doch tatsächlich 2:3 zurück. Erst in der 83.Minute erlöste Gerd Müller mit seinem Siegtreffer zum 4:3 die Bayern. Der sächsiche Dynamo-Trainer Walter Fritzsch erkläre nach dem Spiel doppeldeutig: ” Bei ihnen wird viel mit Geld gemacht, bei uns müssen die Trainer sehr viel reden. Wir haben eben ein anderes System.” Zur Enttäuschung der zahlreichen Bayern-Fans im Osten änderte man bei der Fahrt zum Rückspiel die Reisepläne und übernachtete trotz reservierter Hotelzimmer noch vor der Zonengrenze in Hof, um erst am Spieltag die Fahrt zum Rudolf-Harbig-Stadion fortzusetzen. Die Vereinsführung machte sich damit eine neue UEFA-Bestimmung zunutze, wonach die Gastmannschaft nun nicht mehr bereits am Vortag des Matches an Ort und Stelle zu sein hatte. Die Befürchtung vor Wanzen bei der Mannschaftsbesprechung und manipuliertem Essen führten zu dieser unpopulären Entscheidung. Wie man mittlerweile weiß, war zumindest die Furcht vor Wanzen nicht abwegig.

Obwohl Uli Hoeneß seinem Gegenspieler Eduard Geyer zweimal davonlief und beide Male einnetzte, konnte die Mannschaft die 2:0 Führung nicht halten und lag erneut mit 2:3 gegen die eine starke Dresdner Mannschaft zurück. Wiederum Müller sorgte schließlich mit seinem 3:3 Ausgleich für eine Überwinterung im Europapokal. Geschafft! Die Bundesliga Hinrunde endete mit einem mitreißenden Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem der FC Bayern dank eines spielstarken 4:3 Erfolges die Herbstmeisterschaft erringen konnte. Eingerahmt wurde dieser Erfolg von der 1. und 2.Runde im DFB-Pokal, bei dem man zuerst den MSV Duisburg zu Hause 3:1 und anschließend den SV Werder Bremen in Bremen 2:1 besiegen konnte.


23. Okt. 2009

Neben dem interessanten Artikel vom Weltpokalsieger 1976 habe ich einen weiteren interessanten Artikel über die Bayern Amateure in der gleichen Ausgabe des Kickers gefunden.

Bayern Münchens Amateure wurden plötzlich zur Sensationsmannschaft im DfB Pokal

Die Freude über den sensationellen Pokalsieg gegen den VfB Stuttgart war nur von kurzer Dauer. Kaum zwei Stunden nach dem stolzen 2:1 saßen die Amateure des FC Bayern München im Klubheim an der Säbener Straße beim Abendessen zusammen und hatten den Fernseher eingeschaltet, als der kleine Karl-Heinz Müller die Lose für das Achtelfinale zog. “Uns blieben die Bisse im Hals stecken”, gesteht Amateurtrainer Werner Kern.

Doch inzwischen haben sich nicht nur die Spieler mit der Auslosung abgefunden, auch Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker sieht im Zusammentreffen seiner Profis mit den Amateuren positive Aspekte, wiewohl er klagt: “Der finanzielle Verlust geht in die Hunderttausende. Denn vom Bundesligateam einmal abgesehen, wäre nun auch unsere Amateurmannschaft für jeden Pokalteilnehmer interessant gewesen.”

Die Neugliederung der Nachwuchsabteilung hat sich für den FC Bayern bereits gelohnt. Nach Abschluss der Saison 1975/1976 wurde nämlich die sogenannte Fohlenelf ausgelöst. Außer Konkurrenz in der Landesliga spielend, fehlte den Lehrlingen (ausgestattet mit einem Monatsgehalt bis zu 4000 Mark) der sportliche Ehrgeiz. So machte Neudecker über Nacht Schluß mit diesem Zuschußbetrieb, zumal sich kaum ein Jungtalent für höhere Aufgaben anbot und stärkte dafür die Amateurmannschaft. Sichtbares Zeichen einer raschen Aufwärtsentwicklung ist neben dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale die Spitzeneinstellung der mit fünf Olympiaamateuren bestückten Mannschaft in der Bayernliga, der höchsten Amateurspielklasse. Am Sonntag geht es übrigens im Schlagerspiel gegen den FC Amberg um die Tabellenführung. Trainer Werner Kern, ehemals Realschullehrer, unterstehen also die Amateure, während sich Werner Olk der Jugend widmet. Beide sind auf dem besten Wege, Cheftrainer Dettmar Cramer Jungtalente für den Bundesligakader heranzuführen. Darüber freut sich natürlich ganz besonders der Präsident, der zwar notwendige Neueinkäufe nicht ausschließt, mehr Wert jedoch auf den eigenen Nachwuchs legt. “Wie man so sieht, ist unsere Spielerdecke gar nicht so dünn”, korrigiert Neudecker die Meinung Cramers.

In Werner Kern, der während seiner aktiven Zeit Spielertrainer bei Moosach/Hartmannshofen war, den B- und A-Schein als Trainer besitzt und im Februar nächsten Jahres sein Examen als Fussballlehrer auf der Sporthochschule in Köln macht, besitzt der FC Bayern nicht bl0ß einen hervorragenden Pädagogen. Die Verlängerung des Vertrags in dieser Woche um weitere zwei Jahre beweist die Wertschätzung eines Mannes, der seine jungen Leute zu begeistern versteht.

Als Udo Lattek von den Bayern schied und Dettmar Cramers Verpflichtung noch ausstand, übernahm Werner Kern für drei Wochen auch das Training der Lizenzspieler und flog mit ihnen zu Gastspielen nach Japan (zweimal 1:0 gegen die japanische Nationalelf). “Wir sind selten von einem Trainer so geschlaucht worden wie von Kern”, versicherte damals Gerd Müller. Auch von den Amateuren verlangt Kern unheimlich viel. Olympia-Amateure sind fünf Spieler: Edi Kirschner, Wesly Schenk, sowie die erst 18jährigen Klaus Augenthaler, Willi Reisinger und Fritz Kloo.

Das strenge Regiment des Werner Kern hat am Anfang nicht jeder verkraftet. “Am meisten machte Kirschner die Umstellung auf den harten Trainingsbetrieb zu schaffen”, verrät der Trainer. Der aus Passau stammende Stürmer, schußkräftig und ein Hüne von Gestalt, nahm binnen weniger Wochen gleich zwölf Pfund an Gewicht ab. Am vergangenen Sonntag “erschoß” er den VfB Stuttgart und durfte als Belohnung mit zum Weltpokalspiel nach Brasilien fliegen (Weltpokal 1976). Sie Seele des Amateurteams, einer gesunden Mischung aus ehrgeizigen Youngsters (unter anderem Torwart Schrobenhauser, der Türke Önal) und schon routinierten Spielern (wie Mittelstürmer Ehrensberger) ist ohne Zweifel Kapitän und Libero Rudi Grosser, mit 31 Jahren der Senior, aber beispielhaft in Spielauffassung und im Umgang mit dem Ball: der “Beckenbauer” der Amateure. Die Wertskala seines spielerischen Könnens würde heute noch ausreichen, manchem Bundesliga-Stammpersonal den Rang abzulaufen.

Für das “Familienduell” im Pokal, das am 08.Januar im Münchner Olympiastadion (Gerd Müller scherzhaft: Wir haben schließlich Heimrecht) stattfindet, hat Präsident Neudecker grünes Licht gegeben. Das bedeutet, dass sich die Amateure beim Bruderkampf voll einsetzen sollen, was sie bestimmt auch tun werden.

Zwar glaubt Werner Kern nicht an einen Erfolg über Crames Elitetruppe, der mit der Höchstprämie von 800 Mark honoriert werden würde, doch zuversichtlich prophezeit er: “Die Burschen hängen sich rein, allein, weil sie beweisen wollen, dass der Unterschied zu den Stars nicht so groß ist wie manche glauben.”

Anmerkung: Das Spiel FC Bayern : FC Bayern Amateure endete damals vor 6500 Zuschauern mit 5:3 für die erste Mannschaft.


16. Okt. 2009

…innerhalb von nur sieben Tagen! Doch in der Meisterschaft strebt das Lattek-Team 1972 dem Titel entgegen.

Der Zweikampf um die Deutsche Meisterschaft 1972 zwischen dem FC Bayern München und Schalke 04 geht im Frühjahr in die entscheidende Phase. Durch einen Treffer von Gerd Müller gewinnen die Bayern am 24.Bundesligaspieltag auf der Bielefelder Alm 1:0. Zeitgleich verliert Schalke 04 im Weserstadion bei Werder Bremen. So fehlt zum Wechsel an der Tabellenspitze noch ein einziger Punkt. Die hervorragende Form des FC Bayern hält in den nächsten März- und Aprilwochen an. Mit einem 5:1 gegen Bochum, einem 4:1 in Stuttgart, einem 6:2 über Werder Bremen und schließlich einem 3:1 gegen Hannover zeigt das Team von Udo Lattek eine beeindruckende Konstanz. Allein acht der achtzehn Treffer erzielte der “Bomber der Nation”, Gerd Müller. Da der Meisterschaftskonkurrent aus dem Ruhrgebiet bis auf ein Gastspiel bei Hertha auch alle Spiele gewinnt, können sich die Rothosen trotz sechs Bundesligasiegen in Serie im Kampf um die Deutsche Meisterschaft nicht absetzen.

Aber nicht nur in der Meisterschaft sorgen die Bayern für mächtig Wirbel, auch im Europapokal der Pokalsieger ist das Team um Kapitän Franz Beckenbauer noch im Wettbewerb. Im Rückspiel vom Viertelfinale gastiert das Team von Steaua Bukarest im Stadion an der Grünwalder Straße. Vor 40.000 Zuschauern reicht nach dem 1:1 im Hinspiel ein torloses Remis um in das Halbfinale einzuziehen. Der geniale Freistoßtrick vom Hinspiel zwischen Beckenbauer und Müller ebnet den Weg.

Mit den Rangers aus Glasgow bekommen die Bayern dann einen alten Bekannten zugelost. Leider verlässt den FCB das Glück vor dem möglichen Finaleinzug. Erst unterläuft Rainer Zobel im Heimspeil ein Eigentor zum 1:1 Ausgleich und dann geraten die Bayern schon nach 45 Sekunden durch Jardine beim Rückspiel im Ibrox Park in Rückstand. Udo Lattek mahnte seine Schützlinge zuvor: “Wir müssten den ersten Ansturm überstehen und dann versuchen, das erste Tor zu schießen”. Es bleibt beim Versuch. Zu allem Unglück muss Paul Breitner nach 29 Minuten verletzt ausscheiden und auch Franz Beckenbauer humpelt sich angeschlagen durch den zweiten Spielabschnitt. So bleibt es nach der 0:2 Niederlage beim Traum vom zweiten Triumph im Pokalsiegercup nach 1967.

Leider werden eine Woche zuvor die Träume im DFB-Pokal ebenfalls ausgeträumt. Im Viertelfinale kommt es zur Neuauflage des vergangenen Finales zwischen Bayern und dem 1.FC Köln. Nach dem Hinspiel in München scheint bereits alles klar zu sein. Durch Treffer von Franz Roth und Gerd Müller (2) gewinnt unser Team ungefährdet 3:0. Trotz des klaren Ergebnisses kommen zum Rückspiel 28.000 Zuschauer in die Kölner Radrennbahn. Und die sollen eine “Pokalschlacht” der besonderen Art erleben.

Opfer in der Schlacht gibt es vor allem auf Seiten der Bayern zu beklagen. Wolfgang Sühnholz bricht sich im Zweikampf mit Jupp Kapellmann ein Bein, Ersatzkeeper Manfred Seifert, der für den verletzten Sepp Maier zwischen den Pfosten steht, muss mit verletztem Brustkorb gegen Schwalb ausgetauscht werden und zu allem Übel verliert Franz Krauthausen auf dem Weg zur Kabine auch noch ein paar Zähne. Heinz Flohe habe ihn geschlagen, behauptet Krauthausen erbost, was der Beschuldigte wütend zurückweist und das Publikum (!) für die fehlenden Krauthausen-Beißer verantwortlich macht. Was wirklich passierte wurde nie endgültig geklärt.

Doch neben diesen Vorfällen ist auch das Ergebnis am Ende bitter. Mit 5:1 spielen sich die Geißböcke in einem wahren Rausch. Die Münchner drängen zwar in den letzten 20 Minuten auf den zweiten Treffer, aber Beckenbauers Schuss streift nur das Holz und Georg Schwarzenbeck zielt den Ball über die Latte. Aus und vorbei, der FC Bayern verabschiedet sich binnen einer Woche aus beiden Pokalwettbewerben.

Durch den doppelten K.o. verlieren die Bayern auch in der Bundesliga die gewohnte Ruhe der Spiele zuvor. Beim Angstgegner MSV Duisburg wird durch drei Gegentreffer in den letzten 20 Spielminuten 0:3 verloren. Das abrupte Ende der Bundesliga-Siegesserie liegt sicherlich auch am verletzungsbedingten Ausfall von Paul Breitner und “Katsche” Schwarzenbeck. Somit führen die Bayern nach dem 29.Spieltag nur noch aufgrund der besseren Tordifferenz vor Schalke.

Quelle: Bayern Magazin


8. Okt. 2009

Vor ein paar Tagen habe ich einen Kicker von 1976 in die Hände bekommen. Der FC Bayern wurde in diesem Jahr zum ersten Mal Weltpokalsieger. Das Hinspiel gewannen die Bayern gegen Belo Horizonte noch mit 2:0, ehe es am 21.12.1976 im Rückspiel um alles ging.

Der Kicker schrieb damals nach dem großen Triumph:

Dieser FC Bayern war nicht müde!

Nach sechs Stunden Schlaf: Weltpokalsieg

Jetzt haben die Münchner Bayern den ganz großen Coup doch noch geschafft! Mit einem Klassespiel im fast ausverkauften Stadion Minas Gerais von Belo Horizonte (117000 Zuschauer) holten sie sich nach einem mehr als verdienten 0:0-Unentschieden als erste deutsche Mannschaft überhaupt den Weltpokal! Dabei waren die hervorragend eingestellten Münchner gegen Ende des spannenden, farbigen und äußerst fairen Finales dem Sieg näher als die Brasilianer.

Mit gut 12 Minuten Verspätung pfiff Schiedsrichter Patrick Partridge (Großbritannien) das Spiel im Hexenkessel von Belo Horizonte an, wo die Fans einen klaren Sieg ihrer kaffeebraunen Ballartisten gegen die vermeintlich übermüdeten Müchner erwarteten. Doch die Bayern, bei denen Franz Beckenbauer nach einem letzten Test doch noch mit von der Partie war, ließen sich durch den äußerst unfreundlichen Empfang nicht beeindrucken.

” Wir müssen unbedingt die ersten dreißig Minuten überstehen, ohne ein Tor einzufangen, sonst wird´s ganz schlimm”, hatte Bayern Coach Dettmar Cramer gehofft. Und tatsächlich kamen die Münchner, bei denen sich wieder einmal ihre große internationale Erfahrung auszahlte, prima über die Anfangsminuten.

Ein Höllenlärm im Stadion und starker Druck der Gastgeber kennzeichneten diese ersten Minuten auf dem tiefen, aufgeweichten Rasen. Natürlich konnten die Münchner von Glück sagen: statt Hitzetemperaturen um die 35 Grad ging während des gesamten Spieles ein anhaltender tropischer Regen über dem Stadion nieder. Die einfach viel zu verspielt wirkenden Cruzeiros wurden von den Münchnern schnell an die Kette gelegt, als deren erstes Feuerwerk erst einmal verraucht war. Sepp Weiß, der den Meniskusoperierten Dürnberger vertrat, machte seine Sache gegen Eduardo ebenso gut wie Udo Horsmann, der im Gegensatz zum Münchner Hinspiel gegen den Cruzeiro-Zauberer und absoluten Lokalmatadoren Jairzinho diesmal mehr Land sah.

Nummer eins inmitten des Getümmels war jedoch ein Mann: Sepp Maier. Er parierte während des gesamten Spiels serienweise raffinierte Freistöße des schußstarken Offensivverteidigers Nelinho, Schüsse des quirligen Palinha. Und Chancen hatten die Bayern! Rummenigge, der in der 85.Minute mit einer Fussprellung ausschied, scheiterte jedoch wiederholt an Raul. Glück für die Münchner, als Jair in der 63.Minute nur den Pfosten traf. Überglücklich waren die elf Bayern, als nach 90 Minuten die Raketen in die brasilianische Nacht stiegen. Die enttäuschten Cruzeiros wurden von den 117000 mit gellenden Pfiffen in die Kabine geschickt.

So spielten die Bayern: Maier – Andersson, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Horsmann – Weiß, Torstensson, Kapellmann – Hoeneß, Müller, Rummenigge (85.Arbinger) – Trainer: Cramer

Dann tanzen sie den Samba…

Bayern vertrat Europa glanzvoll!

“Ich bin überglücklich, zu dieser famosen Leistung kann man unserer Mannschaft nur gratulieren”, freute sich Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker. “Wenn´s am schlimmsten zugeht, dann ist der Sepp der Beste”, lobte Gerd Müller, als er gerade vom Spielfeld kam und Franz Beckenbauer war froh: “In der ersten Halbzeit hab ich wieder Schmerzen verspürt, aber Hauptsache, dass wir es nach diesen ungeheuren Reisestrapazen noch gepackt haben.” 10000 Mark will der “Präse” für den Weltpokalsieg seiner Mannen springen lassen. Damit wird das Abenteuer Brasilien für die Münchner ein saftiges Minusgeschäft. Nachdem es im ersten Spiel nur 18000 Zuschauer in die winterlichen Ränge des Olympiastadions getrieben hatte, womit gerade die Flugkosten nach Belo Horizonte gedeckt waren, machten also nur die Brasilianer einen fetten Weltcupreibach: 117000 Zuschauer, Einnahme: 6,4 Millionen Cruzeiro gleich 1,4 Millionen Mark.

Dennoch spricht man bei den Bayern nach dem zweimaligen Reinfall im Supercup von einem schönen Weihnachtsgeschenk. Das Prestige ist international gerettet für dieses Jahr: ” Beste Klubelf der Welt” dürfen sich die Mannen um Franz Beckenbauer jetzt nennen. Was die Münchner nach 26stündigem Flug (sie kamen erst 10 Stunden vor Spielbeginn in Belo an) im tropischen Regen von Mina Gerias leisteten, das hatte in der Tat Weltformat. In der längsten Nacht des Jahres zeigten sie sich ausgeschlafener wie selten zuvor. Die Bayern schliefen lieber vor dem Spiel: ganze sechs Stunden! Dann tanzten sie mit den überraschten Cruzeiros auf ihre spezielle Art den Samba. Mit starken Nerven und kühl bis an die Herzspitzen: eben Marke Bayern.

Gegen 3.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit war der vom Prestige her größte Bayernsieg perfekt. Dann ging es zurück ins Hotel, zum Flughafen, zurück in die winterliche Heimat. Der FC Bayern vertrat Europas Fussball glanzvoll.

Für den Kicker schrieb: Julio Cameron


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