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23. Okt. 2009

Neben dem interessanten Artikel vom Weltpokalsieger 1976 habe ich einen weiteren interessanten Artikel über die Bayern Amateure in der gleichen Ausgabe des Kickers gefunden.

Bayern Münchens Amateure wurden plötzlich zur Sensationsmannschaft im DfB Pokal

Die Freude über den sensationellen Pokalsieg gegen den VfB Stuttgart war nur von kurzer Dauer. Kaum zwei Stunden nach dem stolzen 2:1 saßen die Amateure des FC Bayern München im Klubheim an der Säbener Straße beim Abendessen zusammen und hatten den Fernseher eingeschaltet, als der kleine Karl-Heinz Müller die Lose für das Achtelfinale zog. “Uns blieben die Bisse im Hals stecken”, gesteht Amateurtrainer Werner Kern.

Doch inzwischen haben sich nicht nur die Spieler mit der Auslosung abgefunden, auch Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker sieht im Zusammentreffen seiner Profis mit den Amateuren positive Aspekte, wiewohl er klagt: “Der finanzielle Verlust geht in die Hunderttausende. Denn vom Bundesligateam einmal abgesehen, wäre nun auch unsere Amateurmannschaft für jeden Pokalteilnehmer interessant gewesen.”

Die Neugliederung der Nachwuchsabteilung hat sich für den FC Bayern bereits gelohnt. Nach Abschluss der Saison 1975/1976 wurde nämlich die sogenannte Fohlenelf ausgelöst. Außer Konkurrenz in der Landesliga spielend, fehlte den Lehrlingen (ausgestattet mit einem Monatsgehalt bis zu 4000 Mark) der sportliche Ehrgeiz. So machte Neudecker über Nacht Schluß mit diesem Zuschußbetrieb, zumal sich kaum ein Jungtalent für höhere Aufgaben anbot und stärkte dafür die Amateurmannschaft. Sichtbares Zeichen einer raschen Aufwärtsentwicklung ist neben dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale die Spitzeneinstellung der mit fünf Olympiaamateuren bestückten Mannschaft in der Bayernliga, der höchsten Amateurspielklasse. Am Sonntag geht es übrigens im Schlagerspiel gegen den FC Amberg um die Tabellenführung. Trainer Werner Kern, ehemals Realschullehrer, unterstehen also die Amateure, während sich Werner Olk der Jugend widmet. Beide sind auf dem besten Wege, Cheftrainer Dettmar Cramer Jungtalente für den Bundesligakader heranzuführen. Darüber freut sich natürlich ganz besonders der Präsident, der zwar notwendige Neueinkäufe nicht ausschließt, mehr Wert jedoch auf den eigenen Nachwuchs legt. “Wie man so sieht, ist unsere Spielerdecke gar nicht so dünn”, korrigiert Neudecker die Meinung Cramers.

In Werner Kern, der während seiner aktiven Zeit Spielertrainer bei Moosach/Hartmannshofen war, den B- und A-Schein als Trainer besitzt und im Februar nächsten Jahres sein Examen als Fussballlehrer auf der Sporthochschule in Köln macht, besitzt der FC Bayern nicht bl0ß einen hervorragenden Pädagogen. Die Verlängerung des Vertrags in dieser Woche um weitere zwei Jahre beweist die Wertschätzung eines Mannes, der seine jungen Leute zu begeistern versteht.

Als Udo Lattek von den Bayern schied und Dettmar Cramers Verpflichtung noch ausstand, übernahm Werner Kern für drei Wochen auch das Training der Lizenzspieler und flog mit ihnen zu Gastspielen nach Japan (zweimal 1:0 gegen die japanische Nationalelf). “Wir sind selten von einem Trainer so geschlaucht worden wie von Kern”, versicherte damals Gerd Müller. Auch von den Amateuren verlangt Kern unheimlich viel. Olympia-Amateure sind fünf Spieler: Edi Kirschner, Wesly Schenk, sowie die erst 18jährigen Klaus Augenthaler, Willi Reisinger und Fritz Kloo.

Das strenge Regiment des Werner Kern hat am Anfang nicht jeder verkraftet. “Am meisten machte Kirschner die Umstellung auf den harten Trainingsbetrieb zu schaffen”, verrät der Trainer. Der aus Passau stammende Stürmer, schußkräftig und ein Hüne von Gestalt, nahm binnen weniger Wochen gleich zwölf Pfund an Gewicht ab. Am vergangenen Sonntag “erschoß” er den VfB Stuttgart und durfte als Belohnung mit zum Weltpokalspiel nach Brasilien fliegen (Weltpokal 1976). Sie Seele des Amateurteams, einer gesunden Mischung aus ehrgeizigen Youngsters (unter anderem Torwart Schrobenhauser, der Türke Önal) und schon routinierten Spielern (wie Mittelstürmer Ehrensberger) ist ohne Zweifel Kapitän und Libero Rudi Grosser, mit 31 Jahren der Senior, aber beispielhaft in Spielauffassung und im Umgang mit dem Ball: der “Beckenbauer” der Amateure. Die Wertskala seines spielerischen Könnens würde heute noch ausreichen, manchem Bundesliga-Stammpersonal den Rang abzulaufen.

Für das “Familienduell” im Pokal, das am 08.Januar im Münchner Olympiastadion (Gerd Müller scherzhaft: Wir haben schließlich Heimrecht) stattfindet, hat Präsident Neudecker grünes Licht gegeben. Das bedeutet, dass sich die Amateure beim Bruderkampf voll einsetzen sollen, was sie bestimmt auch tun werden.

Zwar glaubt Werner Kern nicht an einen Erfolg über Crames Elitetruppe, der mit der Höchstprämie von 800 Mark honoriert werden würde, doch zuversichtlich prophezeit er: “Die Burschen hängen sich rein, allein, weil sie beweisen wollen, dass der Unterschied zu den Stars nicht so groß ist wie manche glauben.”

Anmerkung: Das Spiel FC Bayern : FC Bayern Amateure endete damals vor 6500 Zuschauern mit 5:3 für die erste Mannschaft.


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