2. Apr. 2010
Team von Pal Csernai in der Rückrunde 1981/1982 noch in allen Wettbewerben dabei!
Während die Fussball-WM 1982 in Spanien langsam ihre Schatten vorauswarf, startete der FC Bayern hoffnungsvoll in die Rückrunde der Saison 1981/82. Sowohl im DFB-, als auch im Europapokal war das Team von Pal Csernai noch vertreten. In der Bundesliga konnte man zwar nicht als Herbstmeister in die Winterpause gehen, doch als Tabellenzweiter, mit nur einem Punkt Rückstand auf den 1.FC Köln, gab es durchaus noch Titelhoffnungen. Wieder konnten Verantwortliche und Fans unter dem Weihnachtsbaum vom Titel-Triple träumen.
Die Winterpause war wegen der bevorstehenden WM recht kurz. So stand bereits einen Tag nach Neujahr gegen Schweinfurt 05 das erste Testspiel auf dem Programm. Es verlief ebenso erfolgreich (3:1) wie das gegen den FK Pirmasens einen Tag später (6:0). Am 16. Januar wurde es dann auch schon wieder ernst. Vor nur 11.000 Zuschauern begann die Bundesliga-Rückrunde mit einem 2:0 Sieg in Leverkusen, dem sich zwei Heimerfolge gegen Darmstadt (4:1) und Düsseldorf (7:0) anschlossen. Klaus Augenthaler gelangen dabei zwei “Doppelpacks” hintereinander. Die Zuschauerresonanz in der Bundesliga war seinerseit insgesamt relativ niedrig und lag etwa 50 Prozent unter dem heutigen Schnitt. So verfolgten auch beim FC Bayern durchschnittlich nur 12.000 Zuschauer die Heimspiele zwischen dem 17. und 22.Spieltag. Harte Zeiten für den damaligen Schatzmeister Dr.Fritz Scherer.
Auch wenn die Mannschaft jetzt die Tabellenführung übernommen hatte, konnte die Auftaktserie von fünf Siegen aus der Hinrunde leider nicht wiederholt werden. Grund hierfür war eine Auswärtsschwäche, die die Meisterschaftskonkurrenten im Tabellenbild immer wieder für sich ausnutzen konnten. in Karlsruhe verlor man mit 1:4 ebenso deutlich wie die 1:2 Niederlage auf dem Betzenberg nahezu schon obligatorisch war.
Im DFB Pokal stand im Achtelfinale erstmals ein Auswärtsspiel an. Im Mösle-Stadion wurde der Freiburger FC klar mit 3:0 besiegt. Das Los bescherte im Viertelfinale dann ein erneutes Auswärtsspiel, das im Vorfeld jedoch von einem schweren Unglück überschattet wurde. Wenige Tage vor dem Pokalspiel im Weserstadion spielte die Nationalmannschaft in Hannover gegen Portugal (3:1). Uli Hoeneß hatte sich mit drei Freunden im Privatflieger auf den Weg nach Hannover gemacht. Kurz vor der Landung stürzte die Maschine ab. Während alle seine Begleiter alle den Tod fanden, überlebte der ehemalige Bayern-Manager und jetzige Präsident Uli Hoeneß schwer verletzt. Erst nach Stunden wurder er bei Minusgraden von einem Förster im Moor entdeckt. Paul Breitner, der unmittelbar nach dem Länderspiel die Nacht am Krankenbett von Uli Hoeneß verbracht hatte, sorgte nach einem fragwürdigen Elfmeter dann mit seinen beiden Treffern im Weserstadion zunächst für den Ausgleich zur Verlängerung und dann in derselben für den entscheidenden Siegtreffer. Der Kapitän nach dem Spiel: “Ich will ja nicht sentimental sein, aber wenn ich jemals für jemanden Tore geschossen habe, dann diesmal für Uli Hoeneß.”
Auf europäischer Bühne hieß das Hindernis auf dem Weg ins Endspiel zunächst Universitatea Craiova. Nach Gegner aus Skandinavien und Südeuropa ging es nun in den Ostblock. Gegen den rumänischen Meister sorgte bereits im Hinspiel ein 2:0 Erfolg für das sichere Weiterkommen, das auch nicht mehr durch ein 1:1 in München in Frage gestellt wurde. Dies war jedoch nur das Aufwärmprogramm für ein abwechslungsreiches Halbfinale. Auch hier durfte der Deutsche Meister zunächst auswärts antreten und traf auf ZSKA Sofia. Der Armeesportclub aus der bulgarischen Hauptstadt legte los wie die Feuerwehr. Die Bayern drohten unterzugehen, denn bereits nach 18 Minuten lag man mit 0:3 hinten. Als Dürnberger und Dieter Hoeneß den FCB wieder mit 2:3 herangebracht hatten, legte ZSKA mit 2:4 noch einen Treffer nach. Und immer noch waren 40 Minuten zu spielen! Erst Paul Breitner sorgte mit dem 3:4 Endstand in der Schlussphase für ein erträgliches Resultat.
So dramatisch das Hinspiel war, so eindeutig war das Rückspiel in München. Zwar begannen die Rumänen im Olympiastadion ähnlich furios (drei Ecken in den ersten vier Minuten), doch mit je zwei Treffern von Breitner und Rummenigge ließ man den Gästen in der zweiten Halbzeit mit 4:0 keine Chance. Noch zu deutlich hatte man das bittere Aus im Halbfinale an gleicher Stelle gegen den FC Liverpool ein Jahr zuvor vor Augen gehabt. Der FC Bayern stand damit zum vierten Mal im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister!
In der Bundesliga gelang es, nach einem 3:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund, weiterhin den Kontakt zur Tabellenspitze zu halten. Im folgenden Auswärtsspiel in Nürnberg gelang nicht nur mal wieder ein dringend benötigter Auswärtserfolg, sondern auch eine echte Überraschung bei den Torschützen zum 3:0 Sieg. Erzielten sonst Dieter Hoeneß, Breitner und Rummenigge fast 70 Prozent aller Bayern-Tore in der Bundesliga jener Saison, traten an diesem Abend Günter Güttler (zweimal) und Asgeir Sigurvinsson auf den Plan. Für beide waren es auch prompt die einzigen Tore im Dress des FC Bayern.
Im DFB-Pokal war man ebenfalls weiter auf Erfolgskurs. Nach einem 2:1 im Ruhrstadion über den VfL Bochum, bei dem wieder einmal Rummenigge und Breitner trafen, konnte der sechste Finaleinzug im DFB-Pokal in der Vereinsgeschichte klar gemacht werden. Mit nur einem Punkt Rückstand auf den Hamburger SV gab es auch in der Bundesliga unverändert Titelchancen, so dass Schatzmeister Scherer stöhnte: “Wenn wir für alles Prämien zahlen müssen, können wir den Laden dicht machen.”