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2. Apr. 2010

Team von Pal Csernai in der Rückrunde 1981/1982 noch in allen Wettbewerben dabei!

Während die Fussball-WM 1982 in Spanien langsam ihre Schatten vorauswarf, startete der FC Bayern hoffnungsvoll in die Rückrunde der Saison 1981/82. Sowohl im DFB-, als auch im Europapokal war das Team von Pal Csernai noch vertreten.  In der Bundesliga konnte man zwar nicht als Herbstmeister in die Winterpause gehen, doch als Tabellenzweiter, mit nur einem Punkt Rückstand auf den 1.FC Köln, gab es durchaus noch Titelhoffnungen. Wieder konnten Verantwortliche und Fans unter dem Weihnachtsbaum vom Titel-Triple träumen.

Die Winterpause war wegen der bevorstehenden WM recht kurz. So stand bereits einen Tag nach Neujahr gegen Schweinfurt 05 das erste Testspiel auf dem Programm. Es verlief ebenso erfolgreich (3:1) wie das gegen den FK Pirmasens einen Tag später (6:0). Am 16. Januar wurde es dann auch schon wieder ernst. Vor nur 11.000 Zuschauern begann die Bundesliga-Rückrunde mit einem 2:0 Sieg in Leverkusen, dem sich zwei Heimerfolge gegen Darmstadt (4:1) und Düsseldorf (7:0) anschlossen. Klaus Augenthaler gelangen dabei zwei “Doppelpacks” hintereinander. Die Zuschauerresonanz in der Bundesliga war seinerseit insgesamt relativ niedrig und lag etwa 50 Prozent unter dem heutigen Schnitt. So verfolgten auch beim FC Bayern durchschnittlich nur 12.000 Zuschauer die Heimspiele zwischen dem 17. und 22.Spieltag. Harte Zeiten für den damaligen Schatzmeister Dr.Fritz Scherer.

Auch wenn die Mannschaft jetzt die Tabellenführung übernommen hatte, konnte die Auftaktserie von fünf Siegen aus der Hinrunde leider nicht wiederholt werden. Grund hierfür war eine Auswärtsschwäche, die die Meisterschaftskonkurrenten im Tabellenbild immer wieder für sich ausnutzen konnten. in Karlsruhe verlor man mit 1:4 ebenso deutlich wie die 1:2 Niederlage auf dem Betzenberg nahezu schon obligatorisch war.

Im DFB Pokal stand im Achtelfinale erstmals ein Auswärtsspiel an. Im Mösle-Stadion wurde der Freiburger FC klar mit 3:0 besiegt. Das Los bescherte im Viertelfinale dann ein erneutes Auswärtsspiel, das im Vorfeld jedoch von einem schweren Unglück überschattet wurde. Wenige Tage vor dem Pokalspiel im Weserstadion spielte die Nationalmannschaft in Hannover gegen Portugal (3:1). Uli Hoeneß hatte sich mit drei Freunden im Privatflieger auf den Weg nach Hannover gemacht. Kurz vor der Landung stürzte die Maschine ab. Während alle seine Begleiter alle den Tod fanden, überlebte der ehemalige Bayern-Manager und jetzige Präsident Uli Hoeneß schwer verletzt. Erst nach Stunden wurder er bei Minusgraden von einem Förster im Moor entdeckt. Paul Breitner, der unmittelbar nach dem Länderspiel die Nacht am Krankenbett von Uli Hoeneß verbracht hatte, sorgte nach einem fragwürdigen Elfmeter dann mit seinen beiden Treffern im Weserstadion zunächst für den Ausgleich zur Verlängerung und dann in derselben für den entscheidenden Siegtreffer. Der Kapitän nach dem Spiel: “Ich will ja nicht sentimental sein, aber wenn ich jemals für jemanden Tore geschossen habe, dann diesmal für Uli Hoeneß.”

Auf europäischer Bühne hieß das Hindernis auf dem Weg ins Endspiel zunächst Universitatea Craiova. Nach Gegner aus Skandinavien und Südeuropa ging es nun in den Ostblock. Gegen den rumänischen Meister sorgte bereits im Hinspiel ein 2:0 Erfolg für das sichere Weiterkommen, das auch nicht mehr durch ein 1:1 in München in Frage gestellt wurde. Dies war jedoch nur das Aufwärmprogramm für ein abwechslungsreiches Halbfinale. Auch hier durfte der Deutsche Meister zunächst auswärts antreten und traf auf ZSKA Sofia. Der Armeesportclub aus der bulgarischen Hauptstadt legte los wie die Feuerwehr. Die Bayern drohten unterzugehen, denn bereits nach 18 Minuten lag man mit 0:3 hinten. Als Dürnberger und Dieter Hoeneß den FCB wieder mit 2:3 herangebracht hatten, legte ZSKA mit 2:4 noch einen Treffer nach. Und immer noch waren 40 Minuten zu spielen! Erst Paul Breitner sorgte mit dem 3:4 Endstand in der Schlussphase für ein erträgliches Resultat.

So dramatisch das Hinspiel war, so eindeutig war das Rückspiel in München. Zwar begannen die Rumänen im Olympiastadion ähnlich furios (drei Ecken in den ersten vier Minuten), doch mit je zwei Treffern von Breitner und Rummenigge ließ man den Gästen in der zweiten Halbzeit mit 4:0 keine Chance. Noch zu deutlich hatte man das bittere Aus im Halbfinale an gleicher Stelle gegen den FC Liverpool ein Jahr zuvor vor Augen gehabt. Der FC Bayern stand damit zum vierten Mal im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister!

In der Bundesliga gelang es, nach einem 3:1 Heimsieg gegen Borussia Dortmund, weiterhin den Kontakt zur Tabellenspitze zu halten. Im folgenden Auswärtsspiel in Nürnberg gelang nicht nur mal wieder ein dringend benötigter Auswärtserfolg, sondern auch eine echte Überraschung bei den Torschützen zum 3:0 Sieg. Erzielten sonst Dieter Hoeneß, Breitner und Rummenigge fast 70 Prozent aller Bayern-Tore in der Bundesliga jener Saison, traten an diesem Abend Günter Güttler (zweimal) und Asgeir Sigurvinsson auf den Plan. Für beide waren es auch prompt die einzigen Tore im Dress des FC Bayern.

Im DFB-Pokal war man ebenfalls weiter auf Erfolgskurs. Nach einem 2:1 im Ruhrstadion über den VfL Bochum, bei dem wieder einmal Rummenigge und Breitner trafen, konnte der sechste Finaleinzug im DFB-Pokal in der Vereinsgeschichte klar gemacht werden. Mit nur einem Punkt Rückstand auf den Hamburger SV gab es auch in der Bundesliga unverändert Titelchancen, so dass Schatzmeister Scherer stöhnte: “Wenn wir für alles Prämien zahlen müssen, können wir den Laden dicht machen.”


18. Jan. 2010

1982/83 in der Liga nur Platz vier und im Europacup an Aberdeen gescheitert!

Die Herbstmeisterschaft wurde in der Saison 1982/83 zwar knapp verpasst, aber mit Tabellenplatz zwei und dem Erreichen des Viertelfinales im Europapokal der Pokalsieger standen die Chancen des FC Bayern sehr gut auf eine erfreuliche Rückrunde.

Mit einem Hallentunier in der Schweiz, einem Freundschaftsspiel in Frankreich, einer Vorbereitungspartie gegen den VfB Stuttgart und dem Ablösespiel für Jean-Marie Pfaff in Belgien gestalteten sich die Vorbereitungen auf die zweite Saisonhälfte 1982/83 recht abwechslungsreich. Ernst wurde es dann am 18.Bundesliga-Spieltag mit einem Heimspiel gegen Werder Bremen. Nur 18.000 Zuschauer froren im Olympiastadion, in dem auch das magere 1:1 nicht zur Erwärmung beitrug. Das sah in den beiden nachfolgenden Begegnungen jedoch schon ganz anders aus. In Düsseldorf gab es mit einem 5:3 Sieg ein äußerst seltenes Ergebnis, bei dem es den Bayern erst in den letzten 15 Minuten durch Dürnberger und Dremmler gelang, die Führung herauszuschießen. Einmal in Schwung gekommen, ging im darauf folgenden Heimspiel der Karlsruher SC 1:6 in München unter, wobei der 5:0 Halbzeitstand zunächst noch Spektakuläres versprach.

Von einem ernüchternden 1:1 in Leverkusen mal abgesehen, war es dann Arminia Bielefeld, das mit 0:5 in München die Segel streichen musste. Dieser Lauf fand, wie schon so oft in den letzten Jahren, im Frankfurter Waldstadion ein Ende Der verschossene Elfmeter von Paul Breitner verhinderte die 0:1 Niederlage leider nicht.

Auf europäischer Bühne galt es den Einzug ins Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger sicherzustellen, Der Verein hatte zwar seinen Schuldenberg merklich abbauen können, doch zusätzliche Einnahmen hätten auch aus diesem Grund dem FCB gut getan. Gegner im Viertelfinale war der schottische Pokalsieger FC Aberdeen. Das Hinspiel in München wurde von den Bayern allerdings nicht zur Schaffung einer einigermaßen beruhigenden Ausgangsposition genutzt. Nur 0:0 lautete das Endergebnis nach 90 Minuten. Ob das reichen würde?

Hiernach sah es im ausverkauften Pittodrie-Stadion zunächst tatsächlich auch aus, denn Klaus Augenthaler brachte den FC Bayern mit 1:0 in Front. Nach dem Ausgleich war es Hans Pflügler, der in seinem ersten Europacup-Einsatz von Beginn an für die 2:1-Führung in der 61.Minute sorgte. Nun hätten die Schotten noch zwei Tore zum Weiterkommen schießen müssen. Und das taten sie leider auch. Innerhalb von nur 40 Sekunden drehten sie die Partie. Nach Liverpool und Aston Villa war man nun erneut an einer britischen Mannschaft gescheitert. Aberdeen hingegen schaffte es bis ins Finale und gewann dort sogar gegen Real Madrid.

In der Bundesliga konnte der FC Bayern zwar Anschluss an den Tabellenführer Hamburger SV halten, aber an einen Wechsel an der Tabellenspitze war nicht zu denken. Die beiden Tabellennachbarn gewannen und strauchelten gemeinsam. Keiner profitierte vom anderen. Als die Bayern dann einmal zu viel strauchelten, mussten sie sogar noch Werder Bremen an sich vorbeiziehen lassen. Der Mannschaft schien endgültig die Puste auszugehen, als sie zum wiederholten Mal den verletzungsbedingten Ausfall ihres Regisseurs Paul Breitner in Kauf nehmen musste. Der Kapitän plagte sich in jener Saison mit so ziemlich allen Verletzungen herum, die so ein Krankenblatt hergeben kann: Oberschenkelzerrung, Kapselriss, Bänderriss und Absplitterung im Sprunggelenk.

Zum Ende der Saison musste die Mannschaft auch wieder empfindliche Niederlagen einstecken. Einem 0:2 in Köln folgte zu Hause ein 0:1 gegen Kaiserslautern. Das war zuviel für das Präsidium. Der öffentliche Druck auf Pal Csernai nahm nun auch lautstarke Formen von den Rängen im Olympiastadion an. Nach 50 Monaten endete seine Zeit als Cheftrainer beim FC Bayern. Nachfolger wurde für die restlichen drei Saison-Spiele, der bisherige Co-Trainer Reinhard Saftig. Er war damit der 7.Bayern-Trainer seit Bundesligazugehörigkeit 1965.

Mit einem 4:4 bei Borussia Dortmund verschaffte sich Saftig einen durchaus gelungenen Einstand. Als die Mannschaft am vorletzten Spieltag, zu Hause gegen Schalke 04, in der 72.Minute immer noch 0:1 hinten lag, wechselte sich Paul Breitner auf eigenes Betreiben, aber durchaus in Absprache mit Saftig und Uli Hoeneß quasi selbst ein. Zu Spielbeginn noch in zivil auf der Ersatzbank sitzend, versuchte er, einer Verzweiflungstat gleich, der Mannschaft die nötigen Impulse zu geben. Verletzt rieb er sich jedoch in Zweikämpfen auf und konnte auch nicht mehr die Wende herbeiführen. Es war letzte Pflichtspiel von einem der sechs Weltmeister von 1974 im Dress des FC Bayern.

Mit einem 3:2 Auswärtssieg in Nürnberg und einer Asientournee (Breitner kassiert im letzten Spiel noch mal eine rote Karte) beendete der FCB die Saison 1982/83. Tabellenplatz vier in der Bundesliga berechtigte zur Teilnahme am UEFA Cup in der kommenden Saison. Das Spiel der Bayern stand nicht nur in Abhängigkeit von Regisseur Paul Breitner, sondern lebte maßgeblich auch von der Treffsicherheit des Sturmduos Dieter Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Beide erzielten für die Mannschaft exakt die Hälfte der Bundesliga-Tore. Deutscher Meister wurde zum sechsten Mal der Hamburger SV, der mit seinem Trainer Ernst Happel die wohl beste Spielzeit der Vereinsgeschichte hinlegte und schließlich sogar gegen Juventus Turin mit 1:0 den Europapokal der Landesmeister gewann.


7. Jan. 2010

Breitner und Rummenigge führen die Bayern unter Pal Csernai zur Meisterschaft

Der FC Bayern hatte sich Ende der 70er Jahre wieder sportlich gefestigt. Männer wie Willi O.Hoffmann als Präsident, Uli Hoeneß als Manager und Trainer Pal Csernai läuteten an der Spitze des Vereins das neue Jahrzehnt ein. Auf dem Rasen machte das Duo “Breitnigge” weiter von sich Reden und zog zukünftige Stars im damaligen Kader mit. Ob sie nun Dieter Hoeneß, Kurt Niedermayer, Wolfgang Dremmler oder Klaus Augenthaler hießen: Hier wuchs etwas heran.

Dennoch begann das neue Fussballjahr alles andere als verheißungsvoll. Nach nur zwei Freundschaftsspielen mit Siegen in Würzburg und Ingolstadt machten in den beiden ersten Pflichtspielen zwei 0:1 Auswärtsniederlagen dem Team zu schaffen. Die Rückrunde begann wegen der anstehenden EM in Italien relativ früh und startete mit dem Spiel in der 3.Runde des DFB Pokals gegen die SpVgg Bayreuth. Auf schneebedecktem Rasen wussten die Mannen um Paul Breitner am 12.Januar 1980 kein Mittel gegen den tapfer kämpfenden Zweitligisten, ließen nach dem frühen “Tor des Tages” jegliches Aufbäumen vermissen und verabschiedeten sich aus dem Wettbewerb. Eine Woche später revanchierte sich Bayer Leverkusen für seinen Fehlstart in die mittlerweile 25-jährige Bundesligazugehörigkeit und schickte den FCB mit 0:1 vom Rhein zurück an die Isar. Das saß.

Die anstehenden Aufgaben im UEFA-Cup ließen noch ein bisschen auf sich warten, und so galt die ganze Konzentration nun der Bundesliga. Einem 3:1 Heimerfolg gegen Schalke 04 folgte prompt eine gleich lautende Auswärts-Schlappe gegen den HSV. Von Augenthalers Eigentor mal abgesehen, hatte das Spiel im Volksparkstadion jedoch noch eine weitere Besonderheit zu bieten: Nachdem Schiedsrichter Linn ein klares, elfmeterreifes Foul an Breitner außerhalb des Strafraum verlegte und einen Abstand der HSV-Mauer beim Freistoß von vier Metern aktzeptierte, reklamierte der Bayern-Kapitän. Die fällige vierte gelbe Karte führte zu einem Spiel Sperre. Breitner klagte dagegen vor dem DFB-Sportgericht. Die Klage wurde zwar inhaltlich zurückgewiesen, aber als formal grundsätzlich statthaft bestätigt. Ab sofort waren damit juristische Einsprüche gegen Schiedsrichter-Entscheidungen seinerzeit möglich.

Wie gut, dass nun zwei Heimspiele in Folge anstanden. Erneut 3:1 lautete das Ergebnis. Diesmal gegen Mönchengladbach. Es folgte ein 3:0 Erfolg gegen Bochum, bei dem Wintereinkauf und Abwehrspieler Jan Einar Aas aus Norwegen in seinem fünften Pflichtspiel zum ersten und leider auch zum letzten Mal für den FC Bayern traf. Karl-Heinz Rummenigge, der angesichts einer hervorragenden Saison internationales Interesse auf sich zog, verlängerte seinen Vertrag bis 1985, den er jedoch nichgt ganz erfüllen sollte.

Nach einem 1:1 in Berlin begannen die “Pfälzer Wochen” mit einem dreifachen Aufeinandertreffen mit dem 1.FC Kaiserslautern, das nur von einem erneuten 3:1 Heimsieg gegen Duisburg kurz unterbrochen wurde. Den Auftakt bildete das Hinspiel im Viertelfinale des UEFA-Cups auf dem Betzenberg. Mit einer 0:1 Niederlage konnte der Schaden dabei einigermaßen in Grenzen gehalten werden. Zehn Tage später machte man es in der Liga mit einem 1:1 an gleicher Stelle etwas besser. Auf Platz zwei der Tabelle stehend, ließ sich der ansonsten vorsichtige Csernai zu der Aussage verleiten, “dass die deutsche Meisterschaft im Bereich unserer Möglichkeiten liegt”. Eine für ihn geradezu kühne Prognose. Mitte März folgte das Viertelfinal-Rückspiel im Olympiastadion, das man mit 4:1 jedoch deutlich für sich entscheiden konnte.

Die folgende Auslosung zum UEFA-Cup-Halbfinale geriet zur rein deutschen Angelegenheit. Während Stuttgart auf Mönchengladbach traf, wurde der zweite Endspielteilnehmer zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt ermittelt, wobei die Eintracht mit 0:2 und 5:1 nach Verlängerung das Finale erreichte. Erneut war man an Frankfurt gescheitert. Erst im Halbfinale des DFB-Pokals 1973 und nun zweimal in Folge im UEFA-Cup.

Wenigstens hatte man zwischendurch mit Volldampf Kurs auf die Meisterschaft genommen. Von einem 0:1 Ausrutscher in Dortmund mal abgesehen, paarten sich Auswärtssiege in Köln und Uerdingen mit eindrucksvollen Heimsiegen. Ein 7:0 Erfolg über Werder Bremen trug dabei zum Abstieg der Hanseaten wenige Wochen später bei. Paul Breitner, der sich in dieser Saison fortlaufend mit Achillessehnen-Problemen plagte, wirkte ausgebrannt. Csernai griff in die “Trickkiste” und genehmigte dem Kapitän einen in Mannschaft und Presse unpopulären Sonderurlaub von drei Tagen. Mit zwei Toren beim 6:1 Derbysieg zahlte der Mittelfeldregisseur das Vertrauen des Trainers zurück. Diese Torflut in der Partie gegen den TSV 1859 und der klare 6:0-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf waren nicht nur schön, sie waren auch in dieser Höhe bitter nötig. Den Hamburger SV hatte man nämlich nun nach Punkten und Toren eingeholt, am vorletzten Spieltag sogar überholt.

Am letzten Spieltag sorgten noch einmal Breitner und Rummenigge mit ihren Toren zum 2:0 Sieg über Eintracht Braunschweig für einen schönen Schlusspunkt zur sechsten deutschen Meisterschaft. Der Lippstädter trug mit seinen 26 Toren dabei maßgeblich zum Titelgewinn bei. Ein Erfolg, der ihm auch erstmalig die Torjägerkanone bescherte. Der Jubel nach dem Schlusspfiff im Stadion und später dann auf dem Marienplatz zeigte deutlich, dass Titelgewinne nach vier Jahren Durststrecke von Verantwortlichen und Fans längst nicht mehr als etwas Selbstverständliches verstanden wurden.


21. Dez. 2009

Meister im Pokal-Finale 1:2 gegen Uerdingen / Everton im Europacup zu stark

Von wegen Aufbau- oder Übergangsjahr! Nahezu alle Neuverpflichtungen zu Beginn der Saison 1984/85 erwiesen sich als Volltreffer und verstärkten den Kader des FC Bayern nachhaltig. Als Herbstmeister konnte nicht nur die Rückrunde der Bundesliga mit Volldampf in Angriff genommen, sondern mit den anstehenden Viertelfinal-Spielen im DFB Pokal und im Europapokal der Pokalsieger sogar noch weitergehende Ambitionen unterstrichen werden.

Mit der Teilnahme an drei Hallentunieren sowie fünf weiteren Freundschaftsspielen (u.a. in Casablanca) ging es 1985 gut gerüstet in die Rückrunde, die mit einem ersten kleinen Dämpfer in der Bundesliga begann. Gegen Arminia Bielefeld reichte es nur zu einem 3:3 im Olympiastadion. Beim anschließenden Spiel in Bremen setzte es gar eine 2:4 Niederlage. Zwar kam es danach zu einem knappen Heimerfolg über Bayer 05 Uerdingen, doch dieses kleine Hoch war auch schon im Westfalenstadion zu Ende, als gegen Borussia Dortmund, die gegen den Abstieg spielte, nur 1:1 gespielt wurde. Was war los? Waren die Erwartungen nach der überraschend guten Hinrunde vielleicht doch zu groß? Immerhin konnte die Tabellenspitze nach wie vor behauptet werden.

Im Europapokal wartete mit dem AS Rom nun ein echter Kracher, bei dem sich die Bayern im Hinspiel durch einen 2:0 Sieg eine hervorragende Ausgangssituation für das Rückspiel auf italenischem Boden holten. Doch auch im Olympiastadion zu Rom setzte sich der deutsche Pokalvertreter mit einem Sieg durch. 2:1 lautete das Auswärts-Ergebnis, zu dem insbesondere Ludwig Kögl nach seinen jeweiligen Einwechslungen immer wieder mit gefährlichen Dribblings ganz erheblich beigetragen hatte. Ihm blieb es vorbehalten, seine famose Leistung mit einem Siegtreffer zu krönen.

Dermaßen beflügelt wurde auch die Hürde im nationalen Pokal souverän genommen. Im Ulrich-Haberland-Stadion zu Leverkusen setzte sich der Titelverteidiger ohne große Mühe mit 3:1 gegen Bayer 04 durch. Prompt lief es auch in der Liga wieder besser. Zu den teilweise auch torreichen Erfolgen über Köln, Stuttgart, Düsseldorf und Schalke gesellten sich auswärts auch Unentschieden in Mannheim und Frankfurt. EIne gute Punkteausbeute im März des Jahres 1985, die für eine breite Brust bei den zukünftigen Aufgaben in den beiden Pokalwettbewerben sorgen würde – so dachte man.

Doch die Mannschaft tat sich schwer. Im Halbfinale des DFB-Pokals kam es mit Borussia Mönchengladbach, immerhin aktueller Tabellendritter der Liga, zur Neuauflage des letzten Endspiels. Als es in München nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, erlebten immerhin 52.000 Zuschauer ein Novum: Im 25.DFB-Pokalspiel des FC Bayern im Olympiastadion ging es erstmals in die Verlängerung. In dieser sorgte ein Elfmeter der Marke “musste-man-nicht-geben” für die Entscheidung. Sören Lerby verwandelte sicher. Glück gehabt!

Nach dem Hinspiel der Europapokal-Halbfinalbegegnung gegen den FC Everton machte sich allerdings Ernüchterung breit. Die starken Engländer ertrotzen sich im Olympiastadion ein 0:0. Im Rückspiel hätte der FC Bayern gegen den kleineren der beiden Liverpooler Klubs beinahe für eine echte Überraschung gesorgt, denn Dieter Hoeneß sorgte mit seinem Treffer für die 1:0 Pausenführung. Doch die Engländer fingen sich relativ rasch, antworteten mit zwei Toren zur eigenen Führung und ließen kurz vor Schluss noch das 3:1 folgen. Ein echtes Ärgernis, denn nach Liverpool FC, Aberdeen, Aston Villa und Tottenham war der FCB damit bereits nun schon zum fünften Mal in Folge an einer britischen Mannschaft gescheitert. Everton setzte sich übrigens im Endspiel gegen Rapid Wien durch und gewann seinen bis heute einzigen europäischen Titel.

Zurück in die Bundesliga. Dort kassierte die Mannschaft in Hamburg ihre zweite Rückrunden-Niederlage. Da jedoch ein Spieltag später die “Elf vom Niederrhein” erneut, und zwar diesmal deutlich, mit 4:0 im Olympiastadion besiegt werden konnte, war die Truppe von Udo Lattek wieder auf Kurs. Nach einem Auswärtspunkt in Bochum und zwei doppelten Punktgewinnen über Leverkusen und Karlsruhe, steuerte das Team zielgerichtet dem möglichen zweiten Double der Vereinsgeschichte nach 1969 entgegen.

Das daraus nichts wurde, ist eine der überraschendsten Endspiel-Entscheidungen des DFB-Pokals. Der DFB hatte sich zuvor, nachdem das Finale jährlich wechselnd irgendwo in der Republik – aber meist in Frankfurt – stattfand, erstmalig dazu entschlossen, sich auf einen dauerhaften Endspielort festzulegen. Hierfür wurde die geteilte Stadt Berlin auserkoren. Eine sehr gute Idee, bis sich dafür eines Tages mal die Profis der Hertha qualifizieren sollten…

Für die Bayern ging die Premiere daneben. Gegen den vermeintlichen Underdog, Bayer 05 Uerdingen, sorgte zwar Hoeneß schnell für die erwartete Führung, doch die Kicker des Chemie-Riesen sorgten postwendend für den Ausgleich. Als Wolfgang Dremmler unmittelbar zu Beginn der zweiten Halbzeit die Rote Karte kassierte, verlor die Mannschaft die Linie und durch ein weiteres Tor der Bayer-Elf schließlich sogar das Spiel. Aber nicht nur das. In seiner achten Endspiel-Teilnahme im DFB Pokal zog der FC Bayern erstmals den Kürzern. Den beeindruckenden Nimbus eines ungeschlagenen Finalisten war der FCB, nach 1982 gegen Aston Villa, nun auch national los. Schade.

Jetzt aber galt alle Konzentration der Meisterschaft, in der noch zwei Spieltage zu absolvieren waren. Mit einem glatten 3:0 Heimsieg über Kaiserslautern schuf man sich eine vorentscheidende Ausgangsposition für den letzten Spieltag in Braunschweig, wo ein Unentschieden gereicht hätte. Der einzig verbliebene Konkurrent um den Titel war Werder Bremen. Die Hanseaten traten allerdings zeitgleich bei Borussia Dortmund an, denen immernoch der Abstieg drohte. Davon befreiten sie sich jedoch mit einem 2:0 über den SVW, so dass der 1:0 Sieg durch den Treffer von Dieter Hoeneß in Braunschweig nur noch das Sahnehäubchen auf einer turbulenten Saison darstellte, die mit der achten Meisterschaft gekrönt wurde.


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