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5. Dez. 2009

Jubel zum Saisonabschluss 1971 trotz des Scheiterns in der Meisterschaft.

Die Spannung bis zum Saisonabschluss ist in der Spielzeit 1970/1971 garantiert. Seit Monaten marschieren Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern gleichauf in Richtung Meisterschale. Am vorletzten Spieltag liegen die Fohlen vom Niederrhein bei Punktgleichheit einen einzigen Treffer vor den “Rothosen”. Ausgerechnet in dieser wichtigen Entscheidungsphase der Meisterschaft werden Gerd Müller und Charly Mrosko vom DFB-Sportgericht für acht bzw. zwei Wochen vom Spielbetrieb gesperrt.

Unglaubliche Begründung sind dubiose Platzverweise vor fünf Monaten bei einem Freundschaftsspiel in Peru! Beiden hatten bisher immerhin 30 der 70 Treffer erzielt, was den Sturmdrang natürlich erheblich hemmte. Dennoch wird durch Treffer von Beckenbauer, Zobel, Brenninger und Hoeneß die Eintracht aus Braunschweig deutlich mit 4:1 geschlagen. Borussia Mönchengladbach gewann zeitgleich 4:3 gegen Rot-Weiß Essen. Das bedeutet, dass der FC Bayern am vorletzten Spieltag mit einem Tor Vorsprung die Tabellenspitze übernahm. Größere Spannung ist kaum mehr möglich!

Der letzte Spieltag lässt die Bayern bei den “Zebras” vom MSV Duisburg gastieren, während Borussia Mönchengladbach bei der Frankfurter Eintracht antritt. Bis zur Halbzeit läuft alles nach Plan. Das 0:0 lässt die Titelhoffnung wachsen, denn Gladbach kommt in Frankfurt bis zu diesem Zeitpunkt auch nur zu einem 1:1. Doch in der hitzigen Atmosphäre im Wedaustadion (der Münchner Merkur berichtet von “skandalösen Begleitumständen” und “Südamerika-Fussball”) – kann unsere Mannschaft in der zweiten Hälfte nicht mehr dagegenhalten und verliert nach einem Doppelschlag von Rainer Budde 0:2. Dabei bleibt der FC Bayern erstmals seit acht Monaten ohne Torerfolg. Wer weiß, wie es mit Gerd Müller, der auch die Torjägerkrone an den Oberhausener Lothar Kobluhn abtreten musste, ausgesehen hätte! Durch Treffer von Köppel und zwei Mal Heynckes gewinnt die Borussia in Frankfurt noch 4:1 und verteidigt damit den Meistertitel.

Doch ein Tag nach der Meisterschaftsentscheidung beherrschen negative Schlagzeilen das Bundesligageschäft. MItgeschnittene Telefongespräche beweisen, dass im Abstiegskampf manipuliert wurde. Der Bundesliga-Skandal nimmt seinen Lauf, in welchen der FC Bayern nicht verwickelt ist. Aber es gibt auch positive Meldungen im Fussball. Die Sperre von Gerd Müller wird mit Wirkung vom 18.Juni aufgehoben. Damit ist Müller im Pokalfinale gegen den 1.FC Köln dabei. Die Bayern atmen auf, denn unser treffsicherster Angreifer hatte sich auf dem Weg ins Finale als wahre Tormaschine präsentiert. Zehn der insgesamt sechzehn Treffer erzielte der “Bomber der Nation” im Pokalwettbewerb dieser Saison.

Vor dem Anpfiff des Finales im ausverkauften Stuttgarter Neckarstadion darf Müller dann sogar als erster deutscher Spieler überhaupt den “Goldenen Fussball” für den besten Spieler Europas des Jahres 1970 in Empfang nehmen. Im Endspiel selbst kann sich Müller ausnahmsweise mal nicht als Torschütze hervorheben, Im Gegenteil, lange Zeit sieht es nicht gut für die Bayern aus. Nach knapp einer Viertelstunde nutzt Bernd Rupp ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr kompromisslos aus und bringt die Kölner in Führung. In der Folge entwickelt sich ein echtes Spitzenspiel, das anschließend einvernehmlich als das bis dahin beste Finale der Pokalgeschichte gewertet wird.

Besonders Franz Beckenbauer drückt der Partie seinen Stempel auf. So ist es auch der Kaiser höchstpersönlich, der in der 52.Spielminute den Ausgleich erzielt. “Der Franz riskiert jetzt viel mehr als früher. Wir haben uns schon daran gewöhnt, hinten öfter mal alleine zu sein”, bringen “Katsche” Schwarzenbeck die Offensiv Ausflüge seines Liberos nicht aus der Ruhe. Doch ab der 71.Minute müssen die Bayern nach einer Tatlichkeit von Koppenhöfer gegen Hannes Löhr und dem folgenden Platzverweis in Unterzahl gegen die Domstädter bestehen.

Aber auch mit zehn Mann haben die Bayern das bessere Ende für sich. Edgar Schneider, für “Bulle” Roth ins Spiel gekommen, erweist sich als echter Glücksgriff. Aus 20 Meter Entfernung drischt er zwei Minuten vor Ende der Verlängerung das Leder in den rechten Winkel des Kölner Tores. Der fünfte Bayernsieg im fünften Pokalfinale ist perfekt, während die mitgereisten 15.000 Bayern-Fans in einen Freudentaumel versetzt sind. Für Trainer Udo Lattek ist es der erste Titel. Es sollte nicht der letzte bleiben…

Erinnerungen aus dem Bayern Magazin


16. Okt. 2009

…innerhalb von nur sieben Tagen! Doch in der Meisterschaft strebt das Lattek-Team 1972 dem Titel entgegen.

Der Zweikampf um die Deutsche Meisterschaft 1972 zwischen dem FC Bayern München und Schalke 04 geht im Frühjahr in die entscheidende Phase. Durch einen Treffer von Gerd Müller gewinnen die Bayern am 24.Bundesligaspieltag auf der Bielefelder Alm 1:0. Zeitgleich verliert Schalke 04 im Weserstadion bei Werder Bremen. So fehlt zum Wechsel an der Tabellenspitze noch ein einziger Punkt. Die hervorragende Form des FC Bayern hält in den nächsten März- und Aprilwochen an. Mit einem 5:1 gegen Bochum, einem 4:1 in Stuttgart, einem 6:2 über Werder Bremen und schließlich einem 3:1 gegen Hannover zeigt das Team von Udo Lattek eine beeindruckende Konstanz. Allein acht der achtzehn Treffer erzielte der “Bomber der Nation”, Gerd Müller. Da der Meisterschaftskonkurrent aus dem Ruhrgebiet bis auf ein Gastspiel bei Hertha auch alle Spiele gewinnt, können sich die Rothosen trotz sechs Bundesligasiegen in Serie im Kampf um die Deutsche Meisterschaft nicht absetzen.

Aber nicht nur in der Meisterschaft sorgen die Bayern für mächtig Wirbel, auch im Europapokal der Pokalsieger ist das Team um Kapitän Franz Beckenbauer noch im Wettbewerb. Im Rückspiel vom Viertelfinale gastiert das Team von Steaua Bukarest im Stadion an der Grünwalder Straße. Vor 40.000 Zuschauern reicht nach dem 1:1 im Hinspiel ein torloses Remis um in das Halbfinale einzuziehen. Der geniale Freistoßtrick vom Hinspiel zwischen Beckenbauer und Müller ebnet den Weg.

Mit den Rangers aus Glasgow bekommen die Bayern dann einen alten Bekannten zugelost. Leider verlässt den FCB das Glück vor dem möglichen Finaleinzug. Erst unterläuft Rainer Zobel im Heimspeil ein Eigentor zum 1:1 Ausgleich und dann geraten die Bayern schon nach 45 Sekunden durch Jardine beim Rückspiel im Ibrox Park in Rückstand. Udo Lattek mahnte seine Schützlinge zuvor: “Wir müssten den ersten Ansturm überstehen und dann versuchen, das erste Tor zu schießen”. Es bleibt beim Versuch. Zu allem Unglück muss Paul Breitner nach 29 Minuten verletzt ausscheiden und auch Franz Beckenbauer humpelt sich angeschlagen durch den zweiten Spielabschnitt. So bleibt es nach der 0:2 Niederlage beim Traum vom zweiten Triumph im Pokalsiegercup nach 1967.

Leider werden eine Woche zuvor die Träume im DFB-Pokal ebenfalls ausgeträumt. Im Viertelfinale kommt es zur Neuauflage des vergangenen Finales zwischen Bayern und dem 1.FC Köln. Nach dem Hinspiel in München scheint bereits alles klar zu sein. Durch Treffer von Franz Roth und Gerd Müller (2) gewinnt unser Team ungefährdet 3:0. Trotz des klaren Ergebnisses kommen zum Rückspiel 28.000 Zuschauer in die Kölner Radrennbahn. Und die sollen eine “Pokalschlacht” der besonderen Art erleben.

Opfer in der Schlacht gibt es vor allem auf Seiten der Bayern zu beklagen. Wolfgang Sühnholz bricht sich im Zweikampf mit Jupp Kapellmann ein Bein, Ersatzkeeper Manfred Seifert, der für den verletzten Sepp Maier zwischen den Pfosten steht, muss mit verletztem Brustkorb gegen Schwalb ausgetauscht werden und zu allem Übel verliert Franz Krauthausen auf dem Weg zur Kabine auch noch ein paar Zähne. Heinz Flohe habe ihn geschlagen, behauptet Krauthausen erbost, was der Beschuldigte wütend zurückweist und das Publikum (!) für die fehlenden Krauthausen-Beißer verantwortlich macht. Was wirklich passierte wurde nie endgültig geklärt.

Doch neben diesen Vorfällen ist auch das Ergebnis am Ende bitter. Mit 5:1 spielen sich die Geißböcke in einem wahren Rausch. Die Münchner drängen zwar in den letzten 20 Minuten auf den zweiten Treffer, aber Beckenbauers Schuss streift nur das Holz und Georg Schwarzenbeck zielt den Ball über die Latte. Aus und vorbei, der FC Bayern verabschiedet sich binnen einer Woche aus beiden Pokalwettbewerben.

Durch den doppelten K.o. verlieren die Bayern auch in der Bundesliga die gewohnte Ruhe der Spiele zuvor. Beim Angstgegner MSV Duisburg wird durch drei Gegentreffer in den letzten 20 Spielminuten 0:3 verloren. Das abrupte Ende der Bundesliga-Siegesserie liegt sicherlich auch am verletzungsbedingten Ausfall von Paul Breitner und “Katsche” Schwarzenbeck. Somit führen die Bayern nach dem 29.Spieltag nur noch aufgrund der besseren Tordifferenz vor Schalke.

Quelle: Bayern Magazin


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