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5. Dez. 2009

Jubel zum Saisonabschluss 1971 trotz des Scheiterns in der Meisterschaft.

Die Spannung bis zum Saisonabschluss ist in der Spielzeit 1970/1971 garantiert. Seit Monaten marschieren Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern gleichauf in Richtung Meisterschale. Am vorletzten Spieltag liegen die Fohlen vom Niederrhein bei Punktgleichheit einen einzigen Treffer vor den “Rothosen”. Ausgerechnet in dieser wichtigen Entscheidungsphase der Meisterschaft werden Gerd Müller und Charly Mrosko vom DFB-Sportgericht für acht bzw. zwei Wochen vom Spielbetrieb gesperrt.

Unglaubliche Begründung sind dubiose Platzverweise vor fünf Monaten bei einem Freundschaftsspiel in Peru! Beiden hatten bisher immerhin 30 der 70 Treffer erzielt, was den Sturmdrang natürlich erheblich hemmte. Dennoch wird durch Treffer von Beckenbauer, Zobel, Brenninger und Hoeneß die Eintracht aus Braunschweig deutlich mit 4:1 geschlagen. Borussia Mönchengladbach gewann zeitgleich 4:3 gegen Rot-Weiß Essen. Das bedeutet, dass der FC Bayern am vorletzten Spieltag mit einem Tor Vorsprung die Tabellenspitze übernahm. Größere Spannung ist kaum mehr möglich!

Der letzte Spieltag lässt die Bayern bei den “Zebras” vom MSV Duisburg gastieren, während Borussia Mönchengladbach bei der Frankfurter Eintracht antritt. Bis zur Halbzeit läuft alles nach Plan. Das 0:0 lässt die Titelhoffnung wachsen, denn Gladbach kommt in Frankfurt bis zu diesem Zeitpunkt auch nur zu einem 1:1. Doch in der hitzigen Atmosphäre im Wedaustadion (der Münchner Merkur berichtet von “skandalösen Begleitumständen” und “Südamerika-Fussball”) – kann unsere Mannschaft in der zweiten Hälfte nicht mehr dagegenhalten und verliert nach einem Doppelschlag von Rainer Budde 0:2. Dabei bleibt der FC Bayern erstmals seit acht Monaten ohne Torerfolg. Wer weiß, wie es mit Gerd Müller, der auch die Torjägerkrone an den Oberhausener Lothar Kobluhn abtreten musste, ausgesehen hätte! Durch Treffer von Köppel und zwei Mal Heynckes gewinnt die Borussia in Frankfurt noch 4:1 und verteidigt damit den Meistertitel.

Doch ein Tag nach der Meisterschaftsentscheidung beherrschen negative Schlagzeilen das Bundesligageschäft. MItgeschnittene Telefongespräche beweisen, dass im Abstiegskampf manipuliert wurde. Der Bundesliga-Skandal nimmt seinen Lauf, in welchen der FC Bayern nicht verwickelt ist. Aber es gibt auch positive Meldungen im Fussball. Die Sperre von Gerd Müller wird mit Wirkung vom 18.Juni aufgehoben. Damit ist Müller im Pokalfinale gegen den 1.FC Köln dabei. Die Bayern atmen auf, denn unser treffsicherster Angreifer hatte sich auf dem Weg ins Finale als wahre Tormaschine präsentiert. Zehn der insgesamt sechzehn Treffer erzielte der “Bomber der Nation” im Pokalwettbewerb dieser Saison.

Vor dem Anpfiff des Finales im ausverkauften Stuttgarter Neckarstadion darf Müller dann sogar als erster deutscher Spieler überhaupt den “Goldenen Fussball” für den besten Spieler Europas des Jahres 1970 in Empfang nehmen. Im Endspiel selbst kann sich Müller ausnahmsweise mal nicht als Torschütze hervorheben, Im Gegenteil, lange Zeit sieht es nicht gut für die Bayern aus. Nach knapp einer Viertelstunde nutzt Bernd Rupp ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr kompromisslos aus und bringt die Kölner in Führung. In der Folge entwickelt sich ein echtes Spitzenspiel, das anschließend einvernehmlich als das bis dahin beste Finale der Pokalgeschichte gewertet wird.

Besonders Franz Beckenbauer drückt der Partie seinen Stempel auf. So ist es auch der Kaiser höchstpersönlich, der in der 52.Spielminute den Ausgleich erzielt. “Der Franz riskiert jetzt viel mehr als früher. Wir haben uns schon daran gewöhnt, hinten öfter mal alleine zu sein”, bringen “Katsche” Schwarzenbeck die Offensiv Ausflüge seines Liberos nicht aus der Ruhe. Doch ab der 71.Minute müssen die Bayern nach einer Tatlichkeit von Koppenhöfer gegen Hannes Löhr und dem folgenden Platzverweis in Unterzahl gegen die Domstädter bestehen.

Aber auch mit zehn Mann haben die Bayern das bessere Ende für sich. Edgar Schneider, für “Bulle” Roth ins Spiel gekommen, erweist sich als echter Glücksgriff. Aus 20 Meter Entfernung drischt er zwei Minuten vor Ende der Verlängerung das Leder in den rechten Winkel des Kölner Tores. Der fünfte Bayernsieg im fünften Pokalfinale ist perfekt, während die mitgereisten 15.000 Bayern-Fans in einen Freudentaumel versetzt sind. Für Trainer Udo Lattek ist es der erste Titel. Es sollte nicht der letzte bleiben…

Erinnerungen aus dem Bayern Magazin


16. Nov. 2009

Der FC Bayern hatte in Deutschland Liga-Maßstäbe gesetzt. 25 Siege in 34 Bundesliga-Spielen (davon 16-mal zu Hause) und ein um 64 Tore positiveres Torverhältnis (93:29) in der Saison 1972/1973 sind noch heute gültige Bestmarken. Da verwundert es nicht, dass man nun endlich den “Pott”, den Europapokal der Landesmeister, nach München holen wollte.

Die Mannschaft war an sich personell bestens hierfür bestückt und so verstärkte man sich in der Sommerpause 1973 nur punktuell. Neben Stürmer Bernd Gersdorff, der noch während der Hinrunde wieder zurück nach Braunschweig ging, kam mit der damaligen Rekord-Ablösesumme Jupp Kapellmann als Allrounder vom 1.FC Köln.

Die Personalkosten waren hoch und so hetzte Präsident Neudecker die Truppe in der Vorbereitung und auch noch nach Saisonbeginn von einem Freundschaftsspiel zum nächsten. Bis zum Hinrunden-Spiel im Europapokal hatte man 31 Spiele in 65 Tagen absolviert, dabei auch 1859 München mit 3:0 geschlagen und auf dem Weg zu einem Tunier in Spanien Qualitäten gezeigt, die jedem Groundhopper die Ehre gereicht hätten: Auf dem Weg nach Bilbao musste das Flugzeug wegen Nebels in Saragossa landen. Am nächsten Tag wurden die restlichen 400 Kilometer bei sengender Hitze im Bus zurückgelegt. Erst 20 Minuten vor Anpfiff erreichte man das Stadion und fegte nebenbei Real Madrid 5:1 vom Platz.

Fortune gegen Fortuna: Nach holprigem Beginn in der Bundesliga, mit spät sichergestellten Siegen gegen Fortuna Düsseldorf und Liga-Neuling SC Fortuna Köln kam das Team 1973/1974 so richtig in Fahrt. Erster Hinrundenhöhepunkt war dabei ein 5:5 bei Schalke. Auch ein 3:0 oder 4:1 Vorsprung reichte den “Knappen” in der Glückaufkampfbahn nicht. Das 5:5 stellt bis heute das höchste Bundesliga-Unentschieden des FC Bayern dar. Gegen Atvidaberg FF begann die Expedition in Richtung Europas Thron. Es war ein müder Kick, denn mit diesem Spiel hatte der Kader bereits 31 Spieöe in 65 Tagen absolviert. Wenn auch durch ein Eigentor auf beiden Seiten, sah der Hinspiel-Erfolg mit 3:1 noch normal aus. Weniger normal war hingegen das Endresultat im Rückspiel, nämlich ebenfalls 3:1 – allerdings für den schwedischen Meister. Erst Hoeneß Treffer in der 73.Minute ermöglichte die Verlängerung und das schlussendlich erfolgreiche Elfmeterschießen. Besondere Gefallen fand Wilhelm Neudecker am zweifachen Torschützen Conny Torstensson. Nachdem er gegen Bayern nur rote Fussballschuhe trug, trug er bereits zur Rückrunde das rote Bayern-Trikot. Die schwedische Zeitung “Sydsvenska Dagbladet” schrieb: ” Ein spannenderes und dramatischeres Spiel hat es in ganz Skandinavien noch nicht gegeben.”

Gegen die immer noch weit verbreitete Meinung, dass Bayern nur unterkühlt erfolgreichen Fussball zeigte, sprach nicht nur das Spiel auf Schalke, sondern auch die Pleite am 12.Spieltag in der Pfalz. Eine verdiente 4:1 Halbzeitführung auf dem Betzenberg verlor man am Ende hin noch mit 7:4. Trainer des FCK: Erich Ribbeck. Das Spiel gilt heute noch als Sinnbild für erfolgreichen Kampfgeist und fester Bestandteil in der Vorberichterstattung heutiger Paarungen zwischen FCK und FCB.

Denkbar schlechte Voraussetzungen für die nächsten Aufgaben im Europapokal. Während die Münchner Tageszeitungen zunächst nur über Ajax oder Atletico Madrid als mögliche Gegner im Europapokal spekulieren, bescherte die Auslosung den DDR-Meister Dynamo Dresden. Was aber zunächst folgte, war eine Krisensitzung im Trainingslager in Rottach-Egern. Neudecker: “Wer glaubt, nicht die volle Leistung bringen zu können, soll die Hand heben. Er bekommt von mir die sofortige Freigabe.” Es hob aber niemand die Hand. Ende der Aussprache. Die Sachsen, und damit der erste deutsch-deutsche Vergleich im Europapokal überhaupt, konnten kommen.

Schon im Hinspiel, in München, tat man sich gegen die Elbstädter sehr schwer. In einem sportlichen, aber dennoch nicht minder politischen Vergleich lag man zur Pause doch tatsächlich 2:3 zurück. Erst in der 83.Minute erlöste Gerd Müller mit seinem Siegtreffer zum 4:3 die Bayern. Der sächsiche Dynamo-Trainer Walter Fritzsch erkläre nach dem Spiel doppeldeutig: ” Bei ihnen wird viel mit Geld gemacht, bei uns müssen die Trainer sehr viel reden. Wir haben eben ein anderes System.” Zur Enttäuschung der zahlreichen Bayern-Fans im Osten änderte man bei der Fahrt zum Rückspiel die Reisepläne und übernachtete trotz reservierter Hotelzimmer noch vor der Zonengrenze in Hof, um erst am Spieltag die Fahrt zum Rudolf-Harbig-Stadion fortzusetzen. Die Vereinsführung machte sich damit eine neue UEFA-Bestimmung zunutze, wonach die Gastmannschaft nun nicht mehr bereits am Vortag des Matches an Ort und Stelle zu sein hatte. Die Befürchtung vor Wanzen bei der Mannschaftsbesprechung und manipuliertem Essen führten zu dieser unpopulären Entscheidung. Wie man mittlerweile weiß, war zumindest die Furcht vor Wanzen nicht abwegig.

Obwohl Uli Hoeneß seinem Gegenspieler Eduard Geyer zweimal davonlief und beide Male einnetzte, konnte die Mannschaft die 2:0 Führung nicht halten und lag erneut mit 2:3 gegen die eine starke Dresdner Mannschaft zurück. Wiederum Müller sorgte schließlich mit seinem 3:3 Ausgleich für eine Überwinterung im Europapokal. Geschafft! Die Bundesliga Hinrunde endete mit einem mitreißenden Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem der FC Bayern dank eines spielstarken 4:3 Erfolges die Herbstmeisterschaft erringen konnte. Eingerahmt wurde dieser Erfolg von der 1. und 2.Runde im DFB-Pokal, bei dem man zuerst den MSV Duisburg zu Hause 3:1 und anschließend den SV Werder Bremen in Bremen 2:1 besiegen konnte.


16. Okt. 2009

…innerhalb von nur sieben Tagen! Doch in der Meisterschaft strebt das Lattek-Team 1972 dem Titel entgegen.

Der Zweikampf um die Deutsche Meisterschaft 1972 zwischen dem FC Bayern München und Schalke 04 geht im Frühjahr in die entscheidende Phase. Durch einen Treffer von Gerd Müller gewinnen die Bayern am 24.Bundesligaspieltag auf der Bielefelder Alm 1:0. Zeitgleich verliert Schalke 04 im Weserstadion bei Werder Bremen. So fehlt zum Wechsel an der Tabellenspitze noch ein einziger Punkt. Die hervorragende Form des FC Bayern hält in den nächsten März- und Aprilwochen an. Mit einem 5:1 gegen Bochum, einem 4:1 in Stuttgart, einem 6:2 über Werder Bremen und schließlich einem 3:1 gegen Hannover zeigt das Team von Udo Lattek eine beeindruckende Konstanz. Allein acht der achtzehn Treffer erzielte der “Bomber der Nation”, Gerd Müller. Da der Meisterschaftskonkurrent aus dem Ruhrgebiet bis auf ein Gastspiel bei Hertha auch alle Spiele gewinnt, können sich die Rothosen trotz sechs Bundesligasiegen in Serie im Kampf um die Deutsche Meisterschaft nicht absetzen.

Aber nicht nur in der Meisterschaft sorgen die Bayern für mächtig Wirbel, auch im Europapokal der Pokalsieger ist das Team um Kapitän Franz Beckenbauer noch im Wettbewerb. Im Rückspiel vom Viertelfinale gastiert das Team von Steaua Bukarest im Stadion an der Grünwalder Straße. Vor 40.000 Zuschauern reicht nach dem 1:1 im Hinspiel ein torloses Remis um in das Halbfinale einzuziehen. Der geniale Freistoßtrick vom Hinspiel zwischen Beckenbauer und Müller ebnet den Weg.

Mit den Rangers aus Glasgow bekommen die Bayern dann einen alten Bekannten zugelost. Leider verlässt den FCB das Glück vor dem möglichen Finaleinzug. Erst unterläuft Rainer Zobel im Heimspeil ein Eigentor zum 1:1 Ausgleich und dann geraten die Bayern schon nach 45 Sekunden durch Jardine beim Rückspiel im Ibrox Park in Rückstand. Udo Lattek mahnte seine Schützlinge zuvor: “Wir müssten den ersten Ansturm überstehen und dann versuchen, das erste Tor zu schießen”. Es bleibt beim Versuch. Zu allem Unglück muss Paul Breitner nach 29 Minuten verletzt ausscheiden und auch Franz Beckenbauer humpelt sich angeschlagen durch den zweiten Spielabschnitt. So bleibt es nach der 0:2 Niederlage beim Traum vom zweiten Triumph im Pokalsiegercup nach 1967.

Leider werden eine Woche zuvor die Träume im DFB-Pokal ebenfalls ausgeträumt. Im Viertelfinale kommt es zur Neuauflage des vergangenen Finales zwischen Bayern und dem 1.FC Köln. Nach dem Hinspiel in München scheint bereits alles klar zu sein. Durch Treffer von Franz Roth und Gerd Müller (2) gewinnt unser Team ungefährdet 3:0. Trotz des klaren Ergebnisses kommen zum Rückspiel 28.000 Zuschauer in die Kölner Radrennbahn. Und die sollen eine “Pokalschlacht” der besonderen Art erleben.

Opfer in der Schlacht gibt es vor allem auf Seiten der Bayern zu beklagen. Wolfgang Sühnholz bricht sich im Zweikampf mit Jupp Kapellmann ein Bein, Ersatzkeeper Manfred Seifert, der für den verletzten Sepp Maier zwischen den Pfosten steht, muss mit verletztem Brustkorb gegen Schwalb ausgetauscht werden und zu allem Übel verliert Franz Krauthausen auf dem Weg zur Kabine auch noch ein paar Zähne. Heinz Flohe habe ihn geschlagen, behauptet Krauthausen erbost, was der Beschuldigte wütend zurückweist und das Publikum (!) für die fehlenden Krauthausen-Beißer verantwortlich macht. Was wirklich passierte wurde nie endgültig geklärt.

Doch neben diesen Vorfällen ist auch das Ergebnis am Ende bitter. Mit 5:1 spielen sich die Geißböcke in einem wahren Rausch. Die Münchner drängen zwar in den letzten 20 Minuten auf den zweiten Treffer, aber Beckenbauers Schuss streift nur das Holz und Georg Schwarzenbeck zielt den Ball über die Latte. Aus und vorbei, der FC Bayern verabschiedet sich binnen einer Woche aus beiden Pokalwettbewerben.

Durch den doppelten K.o. verlieren die Bayern auch in der Bundesliga die gewohnte Ruhe der Spiele zuvor. Beim Angstgegner MSV Duisburg wird durch drei Gegentreffer in den letzten 20 Spielminuten 0:3 verloren. Das abrupte Ende der Bundesliga-Siegesserie liegt sicherlich auch am verletzungsbedingten Ausfall von Paul Breitner und “Katsche” Schwarzenbeck. Somit führen die Bayern nach dem 29.Spieltag nur noch aufgrund der besseren Tordifferenz vor Schalke.

Quelle: Bayern Magazin


8. Okt. 2009

Vor ein paar Tagen habe ich einen Kicker von 1976 in die Hände bekommen. Der FC Bayern wurde in diesem Jahr zum ersten Mal Weltpokalsieger. Das Hinspiel gewannen die Bayern gegen Belo Horizonte noch mit 2:0, ehe es am 21.12.1976 im Rückspiel um alles ging.

Der Kicker schrieb damals nach dem großen Triumph:

Dieser FC Bayern war nicht müde!

Nach sechs Stunden Schlaf: Weltpokalsieg

Jetzt haben die Münchner Bayern den ganz großen Coup doch noch geschafft! Mit einem Klassespiel im fast ausverkauften Stadion Minas Gerais von Belo Horizonte (117000 Zuschauer) holten sie sich nach einem mehr als verdienten 0:0-Unentschieden als erste deutsche Mannschaft überhaupt den Weltpokal! Dabei waren die hervorragend eingestellten Münchner gegen Ende des spannenden, farbigen und äußerst fairen Finales dem Sieg näher als die Brasilianer.

Mit gut 12 Minuten Verspätung pfiff Schiedsrichter Patrick Partridge (Großbritannien) das Spiel im Hexenkessel von Belo Horizonte an, wo die Fans einen klaren Sieg ihrer kaffeebraunen Ballartisten gegen die vermeintlich übermüdeten Müchner erwarteten. Doch die Bayern, bei denen Franz Beckenbauer nach einem letzten Test doch noch mit von der Partie war, ließen sich durch den äußerst unfreundlichen Empfang nicht beeindrucken.

” Wir müssen unbedingt die ersten dreißig Minuten überstehen, ohne ein Tor einzufangen, sonst wird´s ganz schlimm”, hatte Bayern Coach Dettmar Cramer gehofft. Und tatsächlich kamen die Münchner, bei denen sich wieder einmal ihre große internationale Erfahrung auszahlte, prima über die Anfangsminuten.

Ein Höllenlärm im Stadion und starker Druck der Gastgeber kennzeichneten diese ersten Minuten auf dem tiefen, aufgeweichten Rasen. Natürlich konnten die Münchner von Glück sagen: statt Hitzetemperaturen um die 35 Grad ging während des gesamten Spieles ein anhaltender tropischer Regen über dem Stadion nieder. Die einfach viel zu verspielt wirkenden Cruzeiros wurden von den Münchnern schnell an die Kette gelegt, als deren erstes Feuerwerk erst einmal verraucht war. Sepp Weiß, der den Meniskusoperierten Dürnberger vertrat, machte seine Sache gegen Eduardo ebenso gut wie Udo Horsmann, der im Gegensatz zum Münchner Hinspiel gegen den Cruzeiro-Zauberer und absoluten Lokalmatadoren Jairzinho diesmal mehr Land sah.

Nummer eins inmitten des Getümmels war jedoch ein Mann: Sepp Maier. Er parierte während des gesamten Spiels serienweise raffinierte Freistöße des schußstarken Offensivverteidigers Nelinho, Schüsse des quirligen Palinha. Und Chancen hatten die Bayern! Rummenigge, der in der 85.Minute mit einer Fussprellung ausschied, scheiterte jedoch wiederholt an Raul. Glück für die Münchner, als Jair in der 63.Minute nur den Pfosten traf. Überglücklich waren die elf Bayern, als nach 90 Minuten die Raketen in die brasilianische Nacht stiegen. Die enttäuschten Cruzeiros wurden von den 117000 mit gellenden Pfiffen in die Kabine geschickt.

So spielten die Bayern: Maier – Andersson, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Horsmann – Weiß, Torstensson, Kapellmann – Hoeneß, Müller, Rummenigge (85.Arbinger) – Trainer: Cramer

Dann tanzen sie den Samba…

Bayern vertrat Europa glanzvoll!

“Ich bin überglücklich, zu dieser famosen Leistung kann man unserer Mannschaft nur gratulieren”, freute sich Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker. “Wenn´s am schlimmsten zugeht, dann ist der Sepp der Beste”, lobte Gerd Müller, als er gerade vom Spielfeld kam und Franz Beckenbauer war froh: “In der ersten Halbzeit hab ich wieder Schmerzen verspürt, aber Hauptsache, dass wir es nach diesen ungeheuren Reisestrapazen noch gepackt haben.” 10000 Mark will der “Präse” für den Weltpokalsieg seiner Mannen springen lassen. Damit wird das Abenteuer Brasilien für die Münchner ein saftiges Minusgeschäft. Nachdem es im ersten Spiel nur 18000 Zuschauer in die winterlichen Ränge des Olympiastadions getrieben hatte, womit gerade die Flugkosten nach Belo Horizonte gedeckt waren, machten also nur die Brasilianer einen fetten Weltcupreibach: 117000 Zuschauer, Einnahme: 6,4 Millionen Cruzeiro gleich 1,4 Millionen Mark.

Dennoch spricht man bei den Bayern nach dem zweimaligen Reinfall im Supercup von einem schönen Weihnachtsgeschenk. Das Prestige ist international gerettet für dieses Jahr: ” Beste Klubelf der Welt” dürfen sich die Mannen um Franz Beckenbauer jetzt nennen. Was die Münchner nach 26stündigem Flug (sie kamen erst 10 Stunden vor Spielbeginn in Belo an) im tropischen Regen von Mina Gerias leisteten, das hatte in der Tat Weltformat. In der längsten Nacht des Jahres zeigten sie sich ausgeschlafener wie selten zuvor. Die Bayern schliefen lieber vor dem Spiel: ganze sechs Stunden! Dann tanzten sie mit den überraschten Cruzeiros auf ihre spezielle Art den Samba. Mit starken Nerven und kühl bis an die Herzspitzen: eben Marke Bayern.

Gegen 3.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit war der vom Prestige her größte Bayernsieg perfekt. Dann ging es zurück ins Hotel, zum Flughafen, zurück in die winterliche Heimat. Der FC Bayern vertrat Europas Fussball glanzvoll.

Für den Kicker schrieb: Julio Cameron


7. Okt. 2009

Was für ein Tor! Beim Pokalsieg des FC Bayern in Frankfurt (1:0) erzielt Klaus Augenthaler das “Tor des Jahres” aus exakt 49,80 Metern. Ein Wahnsinnstreffer, der zuerst zum ” Tor des Monats” und danach zum “Tor des Jahres” und schließlich zum “Tor des Jahrzehnts gewählt wird!

Weitere Informationen über die Saison 1989/1990 -> FC Bayern Saison 1989/1990


5. Okt. 2009

Gerade an große Spieler und auch Funktionäre sollte man sich erinnern. Es gab in der Vergangenheit einige die unseren Verein zu dem gemacht haben, der er heute ist. Die Südkurve hat am Samstag beim Spiel gegen den 1.FC Köln an den 125.Geburtstag von unserem ehemaligen Präsidenten und Spieler Kurt Landauer erinnert.

Conny Heidkamp war ebenfalls ein großartiger Mensch, der den zweiten Weltkrieg überlebte, großes Engagement zeigte, das ihn fast ins Gefängnis gebracht hätte. Ohne Conny Heidkamp würde der FC Bayern heute nicht mehr so bestehen, rief einst der Ehrenvorsitzende und frühere Polizeipräsident Siegfried Herrmann bei einer Versammlung nach Kriegsende im Lxxxxbräukeller den Mitgliedern zu.

Erinnerungen von Magdalena Heidkampf, der Frau des Meisterkapitäns des FC Bayern von 1932:

Als der Krieg begann, hatte Conny Heidkamp das große Glück, nicht zum Militär eingezogen zu werden. Seine Stellung bei Siemens & Halske, der als Rüstungsbetrieb galt, ermöglichte es ihm, in München zu bleiben und seine ganze Kraft und Zeit seinem geliebten FC Bayern zu widmen. Vielleicht fragen sich heute manche, warum Fussball in dieser Zeit so wichtig war. Er hatte für die Männer die gleiche Bedeutung wie für die Frauen, die ins Kino gingen, die UFA-Filme mit Marika Rökk oder Zarah Leander. Für ein paar Stunden wollten die Menschen diese schreckliche Zeit vergessen. In den ersten Kriegsjahren fielen noch keine Bomben, aber die Hungersnot wurde immer spürbarer. Von den wenigen Essensmarken der Zuteilung konnte man nur schlecht leben und so begann der Tauschhandel. Von der Front kamen die ersten Todesnachrichten. Unsere Spieler Josef Bergmeier und Franz Krumm starben, beide Nationalspieler, beide in der Meisterelf, beide dicke Freunde. Sie fielen zwar nicht am gleichen Frontabschnitt, aber am selben Tage. Für mich war der Tod von Sepp Bergmeier besonders tragisch, da ich mit seiner Frau befreundet war und sie einmal in der Woche besuchte. In der letzten Zeit war sie besonders aufgeregt, da ihr Sepp eigentlich auf Urlaub kommen sollte. Sie putzte, backte, nähte für ihr zweijähriges Mädchen ein neues Kleidchen und erzählte ihr immerfort vom lieben Vati, der jetzt bald kommen musste. Er kam nicht. Dafür ein Brief des Gauleiters mit den Worten ” Wir bedauern…” Einige Zeit später nahm sie sich und ihrem Kind das Leben. Ich kam lange nicht darüber hinweg.

Die Hungersnot wurde langsam unerträglich. So fingen wir damit an zu hamstern. Conny bei den Vereinsmitgliedern, die Lebensmittelgeschäfte besaßen, ich bei den Bauern auf dem Land. Die größten Gönner in dieser Zeit waren Toni Weh, der in der Augustenstraße einen Metzgereiladen hatte und Karl Hötzl, dessen Geschäft in der Georgenstrasse lag. Wir hatten zwei Waschkörbe im Schlafzimmer aufgestellt, einer mit Würsten für den Verein und einer – von mir – für die Familie. Über dem Korb des FC Bayern lag ein frisches Handtuch, er war für die Familie tabu. Wehe, wenn wir unsere kleine Gerda dabei erwischten, wenn sie an den Würsten roch. Aber mein Korb konnte sich auch sehen lassen. Ich konnte nämlich nähen, nicht gerade meisterhaft, aber für Nachthemden, Schürzen, Blusen und Röcke für die Nachbarn reichte es. Ich hatte das einer Freundin, die Schneiderin war, abgeschaut. Und so blieb ich oft eine Woche lang auf einem Bauernhof, um zu nähen und am Wochenende mit einem vollen Rucksack heimzukehren, während meine Mutter unter der Woche für die Familie kochte.

Und dann begannen sie: die Bombenangriffe. Wir, die wir bisher den Krieg nur durch Frontnachrichten, den Tod von Freunden und die Hungersnot kennengelernt hatten, bekamen ihn nun am eigenen Leib zu spüren. Nacht für Nacht kamen die Angriffe, mal schlimmer, mal weniger schlimm, aber die Fensterscheiben waren fast immer durch den Luftdruck zerbrochen. Die Kinder wurden aus den Städten aufs Land gebracht, unsere Gerda kam in ein Schullandheim nach Bad Wiessee. Die größte Sorge meines Mannes – wie hätte es anders sein können – war der FC Bayern. Dessen Geschäftsstelle lag nämlich mitten in der Stadt, in der Landschaftsstrasse an der Rückseite des Rathauses. Die Häuser dieser Strasse wurden übrigens nach dem Krieg nicht mehr wiederaufgebaut, heute ist das Ganze eine kleine Anlage mit Parkbänken. Das Wichtigste war: die Pokale, die seit Bestehen des Vereins dort standen, mussten in Sicherheit gebracht werden. Aber wohin? Da fiel mir der Bauer in Ascholding ein, bei dem ich in meiner Kindheit die Ferien verbracht hatte. Ein Anruf und wir zuckelten zusammen mit Barry Streck in einem Holzkohleauto nach Ascholding bei Wolfratshausen. Die Kisten wurden in einen Abstellraum neben dem Stall gelagert und wir fuhren wieder Richtung München.

Zu dieser Zeit erwies sich die Anwesenheit meines Vaters, als wahrer Segen. Mein Mann schwang sich nämlich nach jedem Luftangriff auf sein Fahrrad und fuhr durchs brennende München zu jedem einzelnen Spieler, um sich zu vergewissern, ob er am kommenden Wochenende mit ihm rechnen konnte. Wie gut, dass mein Vater so geschickt und gutmütig war, die zerbrochenen Fenster mit Pappe dicht zu machen und andere Schäden notdürftig zu reparieren.

Die Hungersnot wurde schlimmer und so konnte der Wirt des Lxxxxbräukellers, Xaver Heilmannseder, in Zukunft nicht mehr ohne Lebensmittelmarken das Essen für die Spieler zubereiten. Also ging mein Mann auf den bekannten Schiebermarkt, um Lebensmittelmarken zu kaufen. Das war nicht ungefährlich, denn die Razzien wurden immer häufiger und die Strafen härter. Man warnte mich, mein Mann stünde mit einem Fuß im Gefängnis. Aber ihm ging es nur darum, die Spieler zu halten, die zweimal wöchentlich nach dem Training eine warme Mahlzeit erwarteten. Conny hatte Glück und entging den Razzien.

Im vorletzten Kriegsjahr glaubte keiner mehr an einen Sieg der deutschen Armee, aber man durfte es nicht mehr aussprechen. Um unsere Stärke zu zeigen, organisierte das deutsche Sportkomitee ein Freundschaftsspiel des FC Bayern gegen die Nationalelf der neutralen Schweiz in Zürich. Die Spieler wurden ins Sicherheitsamt befohlen und mit folgenden Auflagen vertraut gemacht: Erstens tadelloses Auftreten, zweitens würden Gestapobeamte mitfahren, damit den jungen, wehrmachtsfähigen Spielern nicht einfallen würde, im Ausland zu bleiben, drittens sei es möglich, dass deutsche Emigranten versuchten, mit den Spielern Kontakt aufzunehmen. Jede Annäherung werde strengstens bestraft.

Kaum in Zürich angekommen, trat schon ein Page auf meinen Mann zu und übergab ihm eine Nachricht von Herrn Landauer, der im Vestibül auf ihn warte. Beim Öffnen des Briefes tippte jemand meinem Mann auf die Schulter: Gestapo. “Geben Sie mir den Zettel. Lassen Sie sich nicht einfallen, sich dem Mann zu nähern, sie stehen unter Beobachtung.” Es wurde Conny unmöglich gemacht, mit Landauer Kontakt aufzunehmen, die Gestapo ließ ihn nicht aus den Augen. Es war Kurt Landauer, der frühere Präsident des FC Bayern München, der als Jude aus Deutschland fliehen musste.

Diese Geschichte hatte noch ein trauriges Nachspiel. Kurt Landauer kam nach dem Krieg zurück und wurde wieder Präsident des FC Bayern. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, Conny zu sich zu bitten und die Belege für alle Ausgaben während des Krieges zu verlangen. Mein Mann war ratlos. Er hat fast ausschließlich mit Schiebern und Bestechung zu tun gehabt, wer gab da schon Quittungen? Wer hatte fürs “Organisieren” – wie man es nannte schon Belege bekommen? Selbst als der Geschäftsführer des Vereins, Herr Plank, Connys Angaben bestätigte, nütze es nicht viel.

Als Landauer auf der Bühne des Lxxxxbräukellers zum Anlass einer Jubiläumsfeier die Geschichte des Vereins vortrug, erklärte er: “Wir wollen die letzten Jahre vergessen und Gnade walten lassen.” Ich merkte wie mein Mann blass wurde und zum einzigen Mal in der meiner 60-jährigen Ehe sah ich Tränen in seinen Augen schimmern. Unter dem Tisch suchte ich seine Hand und hielt sie fest. Auch das ging vorbei. Und als er hörte, dass der Ehrenvorsitzende und frühere Polizeipräsident Siegfried Herrmann bei einer Versammlung sagte, “wenn Conny Heidkamp nicht gewesen wäre, würde der FC Bayern heute nicht mehr bestehen”, war das Balsam auf seine Wunden. Sie fingen an zu heilen.

Quelle: Bayern Magazin

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